Chopin: Marcin Rybacki interviewt Regisseur Jerzy Skamruk


Nun, wir machten das folgende Interview irgendwo in einem bevölkerten und lauten Cafe im Zentrum von Warschau. Ich wünschte ich hätte damals ein Gewehr dabei gehabt. Würde die laute Kaffeemaschine erschießen. Ungeachtet der Schwierigkeiten denke ich dass wir es geschafft haben und ich hoffe dass einige von euch es interessant finden werden. Es ist definitiv ein anderer Blick auf Ian, aber Jurek spricht auch bereitwillig über Chopin und Kunst und das Leben im kommunistischen Polen. Zuerst und vor allem konzentriert sich Jurek auf ‚Chopin's Story'… und enthüllt einige interessante Dinge über seine Zusammenarbeit mit Ian.

Wer hatte die Idee, Ian Gillan für das Projekt zu gewinnen, und was wolltest du damit erreichen?

Es ist eine lange Geschichte. Die Idee, einen weltweiten Star als Erzähler für die Dokumentation zu gewinnen hatte sich über ein paar Jahre entwickelt. Wir waren dabei, einen Film über die Salzmine in Wielicka mit Rutger Hauer zu machen, aber es kam nichts wirklich zu Stande. Roman Rogowiecki war in das Projekt involviert und wir waren wirklich knapp daran, es geschehen zu lassen. Im Chopin-Jahr [2010] bat ich Roman, eine Person zu finden, die Chopins Geschichte auf eine unterhaltsame Art erzählen würde. Wir zogen ein paar Leute in Betracht, aber Roman war ganz versessen darauf, Ian Gillan zu bekommen, der unseren Film erhielt und eine große Zuneigung dafür entwickelte. Und so wurde Ian Gillan der Erzähler für unseren Film.

Ich verstehe. Erzähle mir von deiner frühesten Erinnerung an Ian Gillan, und weißt du Bescheid über sein Nebenprojekt?

Natürlich weiß ich Bescheid über Ians Nebenprojekte. Meine früheste Erinnerung geht zurück zu einer Party im Jahre 78, vielleicht 77. Auf dieser Party lieh uns einer unserer Freunde Deep Purples ‚Smoke on the Water', und am Morgen bemerkten wir zu unserer Verzweiflung dass das Vinyl ein Zigarettenloch hineingebrannt hatte. Der Freund, der das Vinyl tatsächlich ausgeborgt hatte, konnte eine Konfrontation mit dem Besitzer nicht ertragen, weil er Angst hatte, sein Leben zu verlieren. Dann ging er nach Amerika und reparierte niemals seinen Schaden. In jenen Tagen konnte man solch ein Vinyl nicht irgendwo bekommen. Alle die Hits waren aus dem Ausland importiert - sie waren wahre Reliquien! Wir nahmen sie gewöhnlich auf Tonband auf, und unsere Kopien unterschieden sich ziemlich in der Qualität. Dreißig Jahre später gab ich das Vinyl dem Freund zurück, der es damals 77 verloren hatte. Ich gab es zurück und es hatte Ians persönliche Nachricht darauf. Das verursachte Fassungslosigkeit!

Fantastisch! Was ist dein Lieblingssong von Gillan? Ist es ‚Smoke on the Water'?

Ja, weil es eine Art Kultsong ist. Dieser Song hat uns durch unser ganzes Leben begleitet, und wir alle kennen ihn. Sogar heute kann man das Riff überall hören. Es ist so besonders. Viele Gitarristen wurden von genau diesem Riff inspiriert, die Gitarre in die hand zu nehmen.

Das ist wahr. Okay, wir alle wissen dass Filmaufnahmen eine gewisse Art von Disziplin erfordern. War Ian am Set als Präsentator diszipliniert?

Und ob er das war. Ian kommt aus einem sehr beständigen Zweig des Showbusiness und wir wussten es sehr genau dass er, wenn er auf der Bühne und bei vielen verschiedenen Projekten (das Eine in Gdansk mit den Baltic Philharmonics, sein Duett mit Pavarotti, und viele, viele mehr) besteht, dann muss er irgendwie diszipliniert sein. Es gibt keinen Zweifel, weil Jahre des Arbeitens auf einer Bühne jeden Menschen formen. Darüber hinaus sind all die Leute im Showbusiness, oder Leute von was wir in Polen ‚den Westen' nennen, Leute die Erfolg hatten dank ihrer Disziplin, und nichts anderem. Arbeit, Arbeit und sogar noch mehr Arbeit!

Genau. Ian erinnert sich an eure Zusammenarbeit mit einiger Wärme. Wie empfandest du es, wie die Zusammenarbeit mit einem Künstler wie Ian Gillan für dich verlief?

Ich habe es schon früher gesagt dass ich glücklich bin dass wir all das Filmen vor Deep Purples Konzert in Katowice gemacht haben und nicht danach. Es war in Spodek wo es mir dämmerte wie gewaltig Deep Purple und ihre Musik sind. Dank dieser scheinbar unwichtigen Tatsache behandelte ich meine Arbeit mit Ian als entspanntes Erlebnis. Natürlich gibt es immer Stress wegen verschiedener Zweifel, aber nach den ersten paar Takes erwies es sich dass Ian sehr gut am Set war. Er lernte auch sehr rasch den Erzähltext und lernte den Oberek (polnischer Regionaltanz) zu tanzen. Es gab geringfügige Malheurs auf beiden Seiten, und so geht es, wenn man an etwas so Großem zum ersten Mal arbeitet. Ich erinnere mich dass Ian zum Skript selber ein paar Einwände hatte, weil es nicht in der Sprache geschrieben war, die er gerne gehabt hätte. Ian hat immer der englischen Sprache sehr große Aufmerksamkeit geschenkt. Ich erinnere mich wie er scherzte: ‚Wenn mein Englischlehrer dies und nicht die andere Phrase gehört hätte, wären meine Hände mit einem Lineal bearbeitet worden.' So war es sowohl in den polnischen als auch den englischen Schulen damals. Wie du sehen kannst ist die alte Methode des Lehrens bis heute erhalten geblieben. Wir konnten mit Ian nicht immer Schritt halten. Die Tatsache dass das Skript stilistische Überarbeitung brauchte war tatsächlich eine Zeitverschwendung. Aber ich denke dass dies die einzigen Elemente waren, die die Harmonie des Drehens etwas erschütterten - ‚erschütterten' ist nicht das richtige Wort, ich würde sagen sie machten die Arbeit ein Bisschen schwierig. Ich weiß nicht ob wir das den Leuten sagen sollten, aber andererseits denke ich es ist unsere gemeinsame Erfahrung - Ians und meine. Die Dinge auf eine andere Weise zu sehen, die Atmosphäre an Orten wo Chopin wirklich war, war sehr inspirierend für Ian. Ich denke es war zum Besseren. Wenn man an Orten ist, wo Chopin war…

Und man sieht, was um einen herum passiert…

Und man sieht was um einen herum passiert, man die Umgebung sehen kann, die Architektur, Landschaft, Folklore, dann gibt man der Inspiration nach. Deine Vorstellungskraft öffnet sich und alles funktioniert dann besser.

Sag mir wie Ian reagierte, als er von dem Projekt erfahren hat?

Ich habe nicht wirklich eine Ahnung. Ich schickte meinen Promo-Film, genannt ‚Fryderyk 2010' an Ian. Roman sorgte dafür, und er sagte dass Ian den Film wirklich mochte und dass er gerne mit uns arbeiten würde. Ich war wirklich überrascht, dass in unserer Zeit, wo alles in einer permanenten Eile ist, und die Leute überwältigt von ihrer täglichen Routine sind, wir die rasche Antwort von Leuten bekamen, die so bekannt sind. Es war ein großartiges, optimistisches Gefühl - Ian sah meinen Film und mochte ihn, aber vor allem wollte er die Erzählung machen.

Denkst du dass Ian Chopins Musik und seinen historischen Hintergrund kannte, bevor er zu dem Projekt kam?

Ich weiß dass Don Airey das Chopin-Museum in Warschau besuchte. Während wir ihn interviewten sagte er, dass er Tränen in seinen Augen hatte als er Fredericks Originalinstrument (‚Pleyer' Piano) sah, das in Warschau in der Tamka Straße ausgestellt wird. Ich denke, Ian wusste eine Menge über Chopin. Wie wir wissen, sind Rockmusiker oft von klassischer Musik beeinflusst, und man kann es in ihrem Werk hören. Die Phrasen sind reif und auf den Punkt. Es ist nicht wie die heutige wertlose Discomusik. Es gehrt eine Menge vor sich in der Rockmusik - sie kann variiert sein, dynamisch und nostalgisch wenn notwendig. Es ist offensichtlich dass Rockmusik sehr reif und nicht hastig niedergekritzelt ist.

Klassische Einflüsse sind besonders evident in Deep Purples Musik, wegen der zwei früheren Mitglieder Ritchie Blackmore und Jon Lord…

Genau, aber nicht nur Purple. Viele andere Künstler wurden von klassischer Musik inspiriert, und das ist großartig, weißt du. Ein Musiker ist reif wenn er sich dessen bewusst ist was musikalisch ist, und nicht nur rhythmisch. Heutzutage sind viele junge Leute leidenschaftlich was Rhythmus angeht und dieses computergenerierte ‚Pochen'. Sie denken, sie haben Spaß damit, weil niemand ihnen ‚echte Musik' zeigte. Sie wissen nichts darüber, was eine Schande ist. Jedermann muss bis zu einem gewissen Punkt Reife erlangen.

Als Regisseur, wie würdest du Ians Präsenz vor der Kamera, am Set, einschätzen?

Ian hatte eine großartige Präsenz vor der Kamera. Er ist ein reifer Mann, ruhig und inspirierend. Als er den Burberry-Mantel anzog, oder die Kleidung die irgendwie auf Chopins Epoche hinwiesen, sah er wirklich elegant aus. Er benahm sich wie ein echter britischer Gentleman. Ich denke das ist es, worum es geht. Wenn du heute eine moderne Show präsentierst, muss es auf eine moderne Art geschehen. Die Shows die man auf kommerziellen Kanälen wie MTV oder VIVA sehen kann, sind eine total verschiedene Sache. Während man Chopins Geschichte erzählt, kann man nicht herumblödeln, clowneske Sprünge vor der Kamera machen, oder mit Gesten den Mangel an Wissen kompensieren… Es gibt eine Menge Information in unserem Film mit einem unglaublichen Erzähler, der verzaubert wenn er eine interessante Geschichte erzählt, und auch den Zuschauer unterrichtet. Man kann den guten Geschmack von Chopins Musik nicht verderben, und die Emotionen, die in seiner Kunst verwoben sind. Ian sprach darüber in unserem Film.

Wenn der alte Fan Ian in einer neuen Rolle sieht, was wird er erfahren?

Etwas von Ians Universalität als menschliches Wesen. Den Mann der reif ist, geformt vom Leben, und der eine Menge Erfahrung und beträchtliches Wissen hat. Ich erinnere mich als ich jung war, und all die älteren Leute, besonders die Eltern, sagten dass Rock übel sei, und dass er die Gehirne der Leute nach links drehte. Es stellt sich heraus dass Rockmusiker eine ordentliche Erziehung haben, und immenses Lebenswissen. Es war nicht was sie uns damals versuchten einzureden. Zum Beispiel hat Brian May von Queen einen Doktor in Astronomie! All die Musiker sind gewaltig charakterisiert durch eine positive Divergenz zu den Musikern, Präsentatoren oder DJs von heute. Ich bin durch diese Tatsache positiv überrascht, und wir haben erreicht, was wir ursprünglich wollten.

Was war am Set schwierig zu erreichen?

Absolut nichts. Es war nur dass wir irgendwie nicht viel Zeit hatten.

Absolut nichts?

Ich denke der Mangel an Geld und Zeit, um eine mehr ansprechende Dokumentation zu machen. Wir könnten eine weitere Episode machen über die Zeit als Chopin nach Frankreich ging, oder sogar England, weil wir wissen dass er auch dort war.

Eine ähnliche Frage wurde von Joe Mennonna gestellt - dem Musiker aus Ians Soloband. Wird es eine weitere Episode geben?

Wir würden es sehr gerne tun. Es ist traurig zu sagen, aber bislang ist der Film nicht profitabel - niemand will für ihn zahlen (ausgenommen IAM [Adam Mickiewicz Institute] als Koproduzent). Das polnische Nationalfernsehen wollte 1.000 Zloty anbieten für eine Ausstrahlung, während andere Shows über "Wie vermisst man einen Elefanten" (Du weißt welche) zehntausende von Zlotys kosten. Wir werden sehen, wenn alles gut geht, und wenn jemand daherkommt und sagt: ‚wir wollen das machen, und wir werden das Budget dafür finden' werde ich einen weiteren Teil mit Freuden machen. Mallorca, Paris oder London. Dies sind großartige Locations und ich bin sicher Ian würde sich dort toll fühlen. Nach der Erfahrung die wir in Polen hatten, denke ich dass die anderen Episoden ähnlich fesselnd wären.

Ich verstehe. Was war das Kriterium für die Wahl der Locations und Fakten für die Dokumentation?

Es ist nicht so, dass wir selber entscheiden wo wir filmen. Wir haben einen sehr limitierten Einfluss auf die Wahl der Pläne. Wie wir wissen war Chopin ein Reisender. Man kann das offen sagen. Er besuchte Polen und nicht nur das. In seiner Jugend besuchte Chopin das damalige Polen. Er war beinahe überall, angefangen bei der baltischen See, bis hinauf zum Tatra-Gebirge, von Wielkopolska (Großpolen) bis Kresy (östliches Grenzgebiet). Er war an vielen Orten, und Reisen war damals schwierig - eine Reise von Warschau nach Gdansk dauerte 5, 6, oder sogar 7 Tage. Wir mussten einer anderen Philosophie folgen. Der praktischen Philosophie, weil wir all die Schlüsselplätze zeigen wollten: Zelazowa Wola, Brochow, Warschau, Plock, und wir wählten auch das Open Air Museum in Klobka - an Orten wie diesen wurde Chopin durch die Volksmusik inspiriert. Heutzutage werden Musiker auch oft durch Volksmusik inspiriert. Aber um zurück auf den Hauptpunkt zu kommen, wir hatten wenig Zeit und wir mussten das Beste daraus machen. Wir waren nicht in der Lage, nach Kalisz, Duszniki oder Krakau zu gehen.

Wenn man also den Zeitmangel in Betracht zieht, denkst du dass du erfolgreich darin warst, die polnischen Jahre in Chopins Leben zu präsentieren?

Ich denke ja, in einem großen Ausmaß. Wir zeigten eine andere Leidenschaft von Chopin - das Reisen. Jarek Killian schrieb ein faszinierendes Skript. Wie wir wissen vergleicht Ian das Reisen durch Polen mit dem Reisen durch das England des 19. Jahrhunderts. Wir zeigten Chopins Inspirationen und seine Leidenschaft für Musik und sein Land. Das war die Hauptidee. Wir wollten und konnten den Film nicht ausdehnen, weil wir, wenn wir die Möglichkeit gehabt hätten, all die Plätze gezeigt hätten, die mit Chopin in Verbindung stehen, und was der Komponist durchgemacht hatte. Zum Beispiel wurden, wie du weißt, in Duszniki seine Lungen kuriert. Das war nicht die Absicht des Films.

Ich verstehe. Ian ist seiner Fangemeinde wegen seines spezifischen Sinns für Humor bekannt. Passierte etwas besonders Lustiges vor Ort, das du jetzt den Fans erzählen kannst?

Ja, sicher. Aber ich kann mich jetzt nicht daran erinnern (lacht)

(lacht) Deine liebste Komposition von Chopin? Oder vielleicht gibt es viele davon?

Es gibt viele, aber ich denke es hängt alles von der Stimmung ab. Vielleicht der Walzer in Cis-Moll, Opus 64, manchmal die ‚Revolutionsetüde', und manchmal andere Stücke, abhängig von der Stimmung. Chopins Musik ist wundervoll, aber auch schwierig anzuhören, weil sie in Ruhe genossen werden sollte, und es ist schwer, heutzutage Ruhe und Frieden zu finden. Ich denke wir haben gelernt, eine Vielfalt von Musik zu hören, aber Chopin dient als Art von Komplettierung für alles - seine Musik kann Leute beruhigen.

Von den Leuten die das Privileg hatten deinen Film zu sehen hörte ich, dass sie von den Kameraeinstellungen berührt waren, besonders von den Luftaufnahmen. Verwendest du oft diese künstlerischen/ästhetischen Werkzeuge bei deiner Arbeit?

Luftaufnahmen haben den Film immer schon auffälliger gemacht. Sie sind irgendwie besonders, wenn sie gut gemacht sind. Sie zeigen die Welt aus einer anderen Perspektive, aber man sollte sie nicht übermäßig gebrauchen. Wenn es zu viele von ihnen gibt, ist es nicht gut, wenn es zu wenige gibt, ist es auch nicht okay. Man braucht etwas Glück, um gute Luftaufnahmen zu machen. Man sollte sehr früh aufstehen und versuchen, die Aufnahmen in wunderschönem Licht, zu jeder Jahreszeit, zu machen. Und man muss eine gute Ausrüstung haben und einen Piloten der fliegen kann, denn wenn man niedrig fliegt bekommt man großartige Aufnahmen. Wie wir wissen will jedermann lieber hoch fliegen, weil dann das Fliegen selber sicher ist. Ich werde versuchen, Luftaufnahmen in all meinen zukünftigen Projekten zu verwenden, aber wie ich sagte, können sie nicht überverwendet werden.

Genug ist so gut wie ein Fest

Genau.

Was inspiriert dich als Regisseur?

Du stellst schwierige Fragen. Ich werde zu einem großen Teil von Dingen inspiriert. Interessante Geschichten, Landschaften, und Realisationstechniken. Unglücklicherweise gibt es nicht genügend Geld für die meisten der ‚Inspirationen'. Also muss ich das Beste aus dem machen, was ich zur Verfügung habe.

Was brachte dich dazu, das Filmemachen zu wählen als…

Zufall, reiner Zufall. Ich habe in meinem Leben total verschiedene Dinge gemacht. Es kam mir nicht einmal in den Sinn, dass ich Filme machen könnte. Aber jedermann sagt dass die Filme die ich mache nicht so schlecht sind, also ist es eine Art Motivation, damit weiterzumachen.

Gibt es einen Regisseur den du besonders bewunderst?

Da gibt es viele.

Wenn du einen wählen müsstest…

Einen Regisseur?

Ja.

Nur um zu entspannen und etwas zu lachen? Sagen wir mal Tarantino? (lacht)

(lacht) Du bist der Regisseur von solchen nichtkommerziellen Untergrundprojekten wie ‚Benedykt Polak', ‚Fryderyk 2010' oder ‚Chopin's Story by Ian Gillan…' Ist es leicht für dich, im genossenschaftlichen Polen ein größeres Publikum zu erreichen, sagen wir, ein Publikum das mit der großen Kunst nicht vertraut ist? Was sind die Probleme, denen du begegnest?

Es ist nicht so dass die Leute nicht wollen… lass es uns anders ausdrücken. Die Leute, die durchdrungen sind von dieser genossenschaftlichen, ordentlichen, anscheinend einfachen und glücklichen Welt, wollen ihre Leben mit einem Lächeln auf ihren Gesichtern verbringen. Diese Leute sind nicht Willens, schwierige Kunst zu akzeptieren, was für sie Chopins Musik ist, weil sie niemand gelehrt hat, Musik zu schätzen, niemand hat sich jemals um ihre musikalische Erziehung gekümmert. Warum um alles in der Welt sollten sie über sich selber nachdenken, und sich verschiedenen Gefühlsschwankungen ergeben? Genossenschaften brauchen das nicht. Wir kümmern uns nicht um die ästhetischen Qualitäten unserer Seelen, und wir lassen es zu dass wir manipuliert werden - das ist ein gewaltiger Fehler. Schau dir nur an, was heutzutage ‚trendy' ist. Gratisshows von mittelmäßigen Künstlern, Bier und Wurst, dröhnende Synthesizer, und fröhliches gemeinschaftliches Wabbeln nach der Konsumation. Ja, es ist nett. Aber das ist es nicht, worum es geht, oder? Das ist es, warum es in unserer Zeit so schwer ist, einen Film wie ‚Chopin's Story…' zu promoten, weil eine gemeinsame Ansicht überwiegt. Namentlich, dass die Leute denken dass Musik für eine Elite reserviert ist, was einfach nicht wahr ist. Es ist schade dass das Bedürfnis nach guter Musik von den Schulen nicht erkannt wird, und dass die meisten Lehrer den gleichen Müll hören wie ihre Schüler. Es ist schwer den Film zu promoten? Ich habe die Frage bereits beantwortet. Es ist sehr schwer. Bislang wurde der Film lediglich auf Discovery Historia ausgestrahlt, und es ist sehr schwer, ihn anderswo auszustrahlen, weil nur Themen-Stationen am Film interessiert sind. Ich weiß nicht was mit dem Film geschehen wird. Vielleicht wird er auf YouTube enden - und ich würde das mögen. Wir haben die ganze Zeit hart versucht, den Film zu einem größeren Publikum zu bringen, das den Film sehen möchte, ich habe ein paar Leute die mir helfen, aber du weißt, Dinge passieren die ganze Zeit.

Welchen Film betrachtest du als deine größte Leistung?

Ich weiß nicht (lacht). Vielleicht den Letzten. Das ist die leichteste Wahl, aber der Film hat einiges an positivem Inhalt, und er wird von einem besonderen Erzähler beehrt. In einem Film, Song, Gedicht oder Buch sind die wichtigen Teile: der Anfang, die Mitte und der Schluss. Wie auch immer, der Inhalt ist auch wichtig, und in unserem Film ist der Inhalt in Ordnung. Ian schien der interessanteste Kandidat zu sein, Chopins Geschichte zu erzählen, weil er ein Kollege in derselben Arbeitsrichtung ist. Ich habe öffentliche wissenschaftliche Filme gemacht, Abenteuerfilme davor, und sie können von einem künstlerischen Standpunkt nicht bewertet werden.

Ich denke der Film enthält zwei Hauptgedanken. Einer davon ist offensichtlich wenn Ian Chopins Klavierspiel damit vergleicht, was Hendrix für das Gitarrenspiel bewirkte.

Ja, zum Beispiel.

Und der andere, weniger Offensichtliche, dass Chopins Musik durch Gesang inspiriert wurde…

Ich bin nicht die Autorität auf diesem Gebiet, aber es ist möglich, weil Chopin von allem inspiriert war, das Emotionen auslöste: sein Heimatland, Volksmusik, Vogelgesang, Liebe, Verlangen, Fröhlichkeit und Unglück. Es musste so sein, und wir wissen das aus seinen erhaltenen Briefen. Also denke ich nicht dass Chopin nur durch menschlichen Gesang inspiriert war. Dies ist ein Einschränken von Chopins Inspirationen. Er hatte seine Seele offen, er war sehr sensitiv. Wäre es nicht so gewesen, er würde nicht Frederick Chopin genannt, sondern zum Beispiel Janko Muzykant. Und das wird er nicht!

Gleichzeitig wurde Ians Mitwirkung (ein Musiker dessen Stimme sein Instrument ist) von den orthodoxen Chopin Aficionados mit Stirnrunzeln betrachtet.

Seltsamerweise nicht.

Nicht?

Ich war in Sorge dass die Leute die still ‚orthodoxe Chopinisten' genannt werden, Chopin nur im Originalklang tolerieren würden. Das ist nicht ganz wahr, und es gibt einen einfachen Grund dafür. Die heutigen Musikinstrumente sind unterschiedlich gebaut, und sie klingen merklich unterschiedlich als jene von vor 200 Jahren. Die Beherrschung eines Pianos aus dem 19. Jahrhundert war anders. Pianisten würden sagen dass das Spielen eines solchen Instrumentes eine andere Technik erfordert. Heute neigen die besten Pianisten dazu, Jahre zu üben um Chopin oder Liszt zu spielen. Sie touren nur die Festivals, aber sie geben auch zu dass ihre Interpretationen von den Originalen abweichen. Es gibt keine Aufnahmen aus Chopins Zeiten, also werden wir nie wissen wie die Musik damals geklungen hat. Wie ist das alles mit Ian verbinden? Dank ihm haben wir jetzt eine neue Qualität im dokumentarischen Diskurs, weil er auf eine Art auch eine Legende ist…

Ich weiß dass du bei der Veröffentlichung der DVD mit dem Film eine Menge Probleme hattest, wie du festgestellt hast. Aber Fans auf der ganzen Welt warten auf das eine und einzige Datum. Wann wird der Film auf DVD für die generelle Öffentlichkeit erhältlich sein?

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird er im November veröffentlicht.

Im November?

Ich denke es. Wir hatten ein paar Gespräche, und ich kann nicht verraten mit wem, um es nicht zu verhexen. Und so denke ich dass die DVD für das breite Publikum im November erhältlich sein wird. Diejenigen, die den Film haben möchten, werden ihn kaufen können.

Ein 10minütiges Interview mit Ian wird auf der Scheibe mit drauf sein…?

Ja, ein Bonusinterview das Roman Rogowiecki am Set gemacht hat. Das Interview selber ist fantastisch und Ian spricht über unser Land in einer schönen Art. Tatsächlich habe ich bemerkt dass er unser Land gerne besucht…

Das hat er immer, seit dem ersten Mal dass er hierherkam, damals 1991. Er erhielt sehr positive Vibes in Wroclav und das könnte es sein, was ihn irgendwie dazu brachte, zurückzukommen. Er hat hier auch viele Freunde… Er war ein Kumpel von Tomek, der unglücklicherweise…

Ja, er ist nicht mehr mit uns.

Fühlst du dich erfüllt als Regisseur und Produzent des Films? Niemand weiß das. Es hängt alles davon ab wie das Schicksal uns steuert und unsere Projekte, die wir anstrebten. Heutzutage leben wir in einer konstanten Unsicherheit über das Morgen, und wir wissen nicht ob wir in der Lage sind, ein neues Projekt zu starten oder nicht, ganz zu schweigen davon, es Wirklichkeit werden zu lassen. Diese Arbeit ist nicht sehr profitabel, man muss eher Dinge wegnehmen anstatt sie anzuhäufen, aber ich kämpfe gegen Schwierigkeiten! Wir werden sehen, vielleicht werde ich eines Tages eine Produktion machen die mich mit großem Stolz erfüllt und die mich selbst erfüllen lässt. Obwohl ich denke dass der Film mit Ian mich mit großer Hoffnung erfüllt, aber ich fühle mich auch unerfüllt weil er so schwer zu promoten ist, dass es da Leute gibt, die Geld investieren würden um den Film zu veröffentlichen.

Großartig. Was hält die Zukunft für dich bereit?

Das ist noch eine schwierige Frage. Vielleicht Nikolaus Kopernikus, aber wir werden sehen, was daraus wird. Das ist lediglich Wunschdenken. Wie wir wissen, ist eine weitere Krisenwelle schnell am Näherkommen… und Filme sind nur ein Bonus im Leben. Filme sind keine Brotlaibe, die uns das Überleben erlauben. Einige Leute denken trotzdem anders darüber. Filme wie der Unsere über Chopin erlaubt es nicht nur einzelnen Individuen zu überleben, sondern unterhält die Nation selber, weil sie den Geist und die ‚Kraft' von Chopin haben. Sie erfüllen mit Stolz und sollten als Beispiel für Andere dienen, aber das ist nicht immer der Fall. Man muss den Zeiten gegenüber in denen wir leben tolerant sein, seine Lippen verschlossen halten und nicht allzu offensichtlich über das Ganze sein. Einfach nur sein eigenes Ding machen.

Das ganz sicher. Vielen Dank für das Interview.

Danke!

Marcin Rybacki