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Ian Gillan liefert eine Süße, Verführerische Ablenkung mit One Eye to Morocco ab

Es war ein trüber Tag als ich mich hinsetzte um eine Kritik über meine Kopie von Ian Gillans neuem Soloalbum, One Eye to Morocco, zu schreiben. Dunkle Wolken türmten sich im düsteren Himmel auf und Regentropfen fielen in Abständen auf die Welt draußen vor meinem Fenster. Dann drückte ich ‚play' auf meinem CD-Spieler, und alles war verändert! Nein, eine Sintflut drohte noch immer draußen entfesselt zu werden, aber es kümmerte mich nicht länger. Ich war transportiert - augenblicklich abgelenkt, Geist und Seele, durch die Musik die aus meinen Lautsprechern floss. Und was für eine wundervolle Ablenkung es ist!

One Eye to Morocco ist Ian Gillans erstes Album mit originalem Solomaterial seit Dreamcatcher aus 1997 und ich bin glücklich zu berichten dass es die lange Wartezeit mehr als wert war. Gillan ist natürlich die legendäre und unnachahmliche Stimme von Deep Purple und seine Solounternehmen sind immer Spaß, Romantik, und oft skurrile Abweichungen von der Struktur dieser Band. Dieses Album ist da kein Unterschied, es schwelgt in seiner Befreiung und Freiheit unterschiedliche Formen der Musik zu erforschen. Du wirst eine erstaunliche Vielfalt von Einflüssen finden, die sich vermischen wie exotische Gewürze, verschlungen ineinander wie Liebende, alles zusammen gehalten durch Gillans weiche, kraftvolle und sofort erkennbare Stimme. Gedankenvoll, frei und leicht, es ist so einfach sich fallen zu lassen und sich in der samtigen, poetischen Verführung des Albums zu verlieren. Es wird dich forttragen, es wird deinen Geist und deine Seele beruhigen, es wird dich erschüttern und dich dazu bringen deine Hemmungen zu vergessen und in der Freude des Ganzen zu tanzen.

Die Musiker die Ian hereingebracht hat um ihm zu helfen dieses prächtige Album zu produzieren sind von höchstem Kaliber. Gitarrist Michael Lee Jackson demonstriert seine Vielseitigkeit und Flüssigkeit, indem er mit ebenso viel Leichtigkeit wie Stil von ruhigen östlichen Klängen zu knackigen Rock and Roll Akkorden geht, zu Blues und sogar zu Gitarrenspiel in spanischem Stil. Bassist Rodney Appleby fügt seinen gewandten Touch hinzu, hält den Beat, hilft den Rhythmus zu untermauern und zeigt ein paar nette Melodien von ihm selber, während Schlagzeuger Howard Wilson die Rhythmusabteilung mit einem großen Sinn für Stil ausfüllt. Joe Mennonna entlockt seinem Saxophon Leidenschaft und fügt mit seinem farbenreichen Spiel ausgeprägte Varianten von Jazz und Rock aus den alten Tagen hinzu. Keyboard-Aufgaben werden über das Album hinweg von Lance Anderson und Jesse O'Brien geteilt und es ist nett zu hören wie die Hammond und Wurlitzer Orgeln die Songs durchwegs unterstreichen, indem sie ihre unverkennbaren Noten zum Gefühl der gesamten Komposition hinzufügen.

Dann ist da Ian Gillan. Seine Stimme bleibt weich und kraftvoll. Sein einzigartiger Gesangsstil zieht all diese wundervollen und unterschiedlichen Elemente zusammen und vereinigt sie als ein Ganzes. Er bewegt sich so leicht durch all die unterschiedlichen musikalischen Stile auf dem Album, gefühlsgeladen, sinnlich und leidenschaftlich, manchmal dunkel und ironisch, und immer fließend und flüssig. Seine Stimme kann dich entspannen und forttragen, dich dazu bringen dass du aufspringen und tanzen willst, oder dich dazu ermuntern hinzusitzen und nachzudenken. Als Textschreiber ist er ohne Gleichen. Ein extrem talentierter Schriftsteller und Wortschmied, ist Gillan hier an der Spitze seiner Branche. Vom Weben von Erzählungen darüber wie man mit unprovozierter Gewalt umgeht bis zum Grübeln über die Vorteile des Alters liefert Ian immer Texte ab die zum Nachdenken anregen und die oft in Geheimnis und Metaphern verschleiert sind, was sie umso herausfordernder macht.

Die Songs auf One Eye to Morocco sind eine vielseitige Mischung die von Lebenskraft und Ehrlichkeit schimmert. Da gibt es keinen einzigen Track auf diesem Album der als unnütz, unwichtig oder als Füller empfunden wird. Als solches ist es sehr schwer, einen Favoriten herauszupicken; es ist eines jener Alben wo wahrscheinlich zum einen oder anderen Zeitpunkt jedes Lied ein Favorit sein wird. Der Titeltrack selbst hat eine eindeutige östliche Note, hervorgehoben durch sehr schönes Cellospiel und macht einen wundervollen Job damit, den Zuhörer abzulenken und ihn in einige exotische Ziele einzuladen wenn Gillan sanft darüber singt, "in einem eigenen Traum verloren" zu sein. "Change My Ways" ist eine langsame, träge Bluesnummer und beinhaltet Ians bemerkenswerte Fertigkeiten auf der Harmonika. Ich war immer verrückt nach Gillans Harmonikaspiel, unwiederbringlich süchtig seit ich vor vielen Jahren "Painted Horse" gehört habe. "No Lotion for That" legt los wie ein Zurück-zu-denWurzeln-Rocker mit einem Groove der an Little Richards und Jerry Lee Lewis erinnert. "Deal With It" schlittert und poltert dahin mit einem unheimlichen Sinn für Bedrohung wenn Ian die Geschichte erzählt wie er mit der Gefahr von persönlicher Gewalt konfrontiert war. Gillan erzählt die Geschichte wie kein Anderer und wenn gelegentliche Töne einer akustischen Gitarre mit wunderschöner Klarheit durchklingen, heulen und grollen elektrische Gitarren im Hintergrund wie bedrohliche Hunde die sich in einer finsteren Nebengasse verstecken. Bemerkenswerterweise spielt Gillans Mitverschwörer Steve Morris all die Instrumente hier. Lässig, locker und sorgenfrei, sind süße Slide-Gitarre und jamaikanische Rhythmen die Kulisse für das unglaubliche "Girl Goes to Show". Diese himmlische kleine Ablenkung nimmt mich mit zum Strand einer karibischen Insel wo ich mit einem Drink in der Hand die Sonne beobachte wie sie über dem Meer untergeht, während "Don't Stop" mich mit dem vagen Klang einer spanischen Flamencogitarre, die in der süßen, nach Rosen duftenden Luft klingt, an einer gemütlichen Plaza in Spanien abliefert.

Gleichzeitig sorgenfrei, leicht, spaßig und gedankenvoll, ist One Eye to Morocco ein Album das eine süße romantische Ablenkung ist und das intime und persönliche flüchtige Blicke auf Ian Gillan, sowohl den Künstler wie den Mann, bietet. Dies ist mit Leichtigkeit seine beste Leistung seit Accidentally On Purpose, seiner Zusammenarbeit mit Roger Glover, und übertrifft wahrscheinlich sogar dieses. Vielfältig und abenteuerlich, präsentiert dieses Album Ians Potenzial als eigenständiger Musiker und Künstler und bestätigt was seine Freunde und Fans die ganze Zeit gewusst haben; der Mann ist eine starke Kraft in der Musik, ein König unter den Rockstars, und One Eye to Morocco steht als das erste Juwel das seine jetzt schon bemerkenswerte Krone ziert. Der Mann ist eine Kostbarkeit und wenn du dieses Meisterwerk versäumst, tust du das auf deine eigene Gefahr.

Cheers!

Brent A. Soileau
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