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IAN GILLAN One Eye To Morocco
Edel (2009)

Pete Feenstra

Die Tatsache dass Ian Gillan sein Album mit einem Horn-Windstoß von Joe Mennonna beginnt und endet bietet einen sofortigen Hinweis auf die eklektische Natur seines ersten Albums mit neuem Material seit zehn Jahren.

Vom cellobeladenen, östlich klingenden eröffnenden Titelsong bis zum abschließenden reflektiven ‚Always The Treaveller' steckt Gillan sein Revier aus indem er sich auf dem Rock-Marktplatz als einen reifen Rocksänger mit nasaler Stimme repositioniert, mit einem Schrank voll schrulliger Texte und musikalischen Texturen die am besten als langsame Brenner beschrieben werden.

Tatsächlich gibt es hier ein Bisschen von allem um eine breite musikalische Palette zu füllen, von dem Retro Rock and Roll Gefühl auf ‚No Lotion For That' bis zu dem exquisiten Latino Groove auf ‚Don't Stop' und sogar eine Rock and Roll Pastiche mit ‚Change My Ways', komplett mit einem Gesangsrefrain im Purple-Ära Stil. Das Letztere bietet einen entzückenden Mix aus flatterhaftem Gesang, emsigen Perkussions, gut gearbeiteten Hörnern und einem fröhlichen Arrangement das wunderschön funktioniert.

Einige Songs erfüllen ihre Versprechen nicht ganz, bleiben zurück wie das slide-geführte ‚Girl Goes To Show'. Da sind Schatten von Lennons ‚Come Together' aber der Song ist behindert durch einen schwunglosen Refrain der unbehaglich neben der weiterführenden Strophe sitzt.

Ian ist weit glücklicher wenn er einen langsam geflüsterten Blues bei ‚Better Days' verarbeitet, eine Nummer die die Dynamik auf dem Rücken von einem Slide im Stile von ‚Red Rooster' und nuancierten Oohs und Aahs von den Gillanaires, den Hintergrundsängern, beeindruckend aufbaut. Seine stimmliche Darbietung und besonders seine Phrasierung ist hervorragend und straft jegliche Unterstellung, dass er noch immer zu den Schreien und Falsettos im hohen Register der alten Zeiten Zuflucht nehmen muss, Lügen.

Wenn nichts anderes, so verbreitet ‚One Eye To Morocco' auf kluge Weise die Arbeitsbelastung mit Ko-Autor Steve Morris der sich aller Instrumente in ‚Deal With It' annimmt während Ian einige unheilverkündende Texte im Stile der Temptations rappt, während eine Synthesizer-Melodie über dem Hintergrundtrack schwebt.

‚One Eye To Morocco' ist ein Triumph einfach weil die verschiedenen Elemente des Albums so ziemlich die Qualität des Titelsongs widerspiegeln. Wenn die Gillan/Morris Partnerschaft im Songschreiben ursprünglich durch den Text des Titelliedes inspiriert wurde, gibt es genügend musikalische Vielfalt um der Vorstellungskraft des Verseschmiedes gleichzukommen.

‚The Ultimate Groove' ist ein perfektes Beispiel, da die Musik den Titel mühelos hervorruft während Gitarrist Michael Lee Jackson auf dem von Steinbeck beeinflussten ‚The Sky Is Falling Down' in ein Riff im Texas Stil gleitet während Gillan einige meteorologische Metaphern erforscht. Es ist ein Song der leicht von David Grissoms Storyville Songbook hätte kommen können.

Dann wiederholt Ian MLJs exzellenten Rocker ‚Texas State Of Mind' (zuerst gehört auf der ‚Live in Anaheim' CD) komplett mit einer voll entfalteten Bandarbeit und pumpenden Bläsern. Dies ist beeindruckendes Zeug und wird gefolgt von weiterer stilistischer Vielfalt wenn Ian seine Stimme doppelt aufnimmt für einen aggressiven Refrain im Stile von Nickelback auf der leise/laut/leise Dynamik von ‚It Would Be Nice', einem Titel der einem wie vieles auf diesem Album immer lieber wird.

Was offensichtlich auf dem Rücken einer musikalischen Verrücktheit begonnen hat, ist zu etwas mit echter Substanz gewachsen, beinhaltet gute Songs, feines Spiel, generell guten Gesang und einen echten Sinn eines Albums. Tatsächlich ist dies ein Projekt das ein paar Leute angenehm überraschen könnte. Wenn nichts anderes, dann deutet ‚One Eye To Morocco' ein Wiederaufladen von Gillans kreativen Säften an und einen erfolgreichen Wechsel in der musikalischen Richtung.

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