- mit freundlicher Genehmigung verwendet © Houston Press

Houston Press - Rocks Off
Classic Rock Corner: Ian Gillan's Tieferer Schatten von Purpur
Von Bob Ruggiero in Classic Rock Corner
(appeared originally in the Houston Press)

Obwohl er am besten bekannt ist als die talentierten Mandeln hinter der britischen Hard-Rock Legende Deep Purple, hat Ian Gillan ebenso die Möglichkeit gefunden, ernsthafte Zeit im Studio und auf der Straße anzumelden, sowohl als Frontman seiner eigenen Bands als auch als Solokünstler.

Gillans neue CD, One Eye To Morocco (Eagle Records) sieht die Röhre nicht im Tempo von Speed King singen, sondern in einem mehr entspannteren Groove auf einem Dutzend Titeln die Rock, Blues, Reggae, Soul und den Geschmack des Mittleren Ostens, der im Titellied angedeutet wird, mischen.

Rocks Off sprach mit Gillan in England über die CD, die Frauen von Texas und was durch seinen Kopf geht jedes Mal wenn er diese verdammten Eröfffnungsakkorde zu "Smoke On The Water" hört…



Rocks Off: Ich habe gehört dass der Titel eine großartige Hintergrundgeschichte hat.

Ian Gillan: Ich habe die ganze Zeit ein Notizbuch bei mir, da ich in der Schule gelernt habe dass man, wenn man Dinge nicht niederschreibt, sie vergisst! Ich war in Ferien mit meinem Freund Tommy. Ich sollte für eine Woche bei ihm in den Bergen an der tschechischen Grenze bleiben und im Schnee herumrollen und Wodka trinken. Er traf mich in Krakau, Polen, und wir machten einige Besichtigungen und gingen dann in ein Café.

Als Tommy zu den großartigen Details kam wie Oskar Schindler einige Aktivitäten in diesem selben Café während des Zweiten Weltkrieges gemacht hatte, ging diese Frau vorbei. Sie war eine Vision…eine wunderschöne Erscheinung. Und ich folgte ihr mit meinem Auge bis sie außer Sicht kam. Tommy drohte mir mit dem Finger und sagte "Ah, Ian, du hast ein Auge auf Marokko."

Ich fand später heraus dass die komplette Redensart lautet man habe "ein Auge auf den Kaukasus und ein Auge auf Marokko." Was es bedeutet ist, wörtlich gesprochen, dass man in zwei Richtungen schielt. Heute würde es bedeuten dass man wenn man am Tisch sitzt und sich die Eier abarbeitet beginnt, an das Wochenende zu denken oder an ein Fußballspiel. Es bedeutet abgelenkt zu werden durch die Verlockung des Exotischen.

RO: Nun, es ist eine gute Sache dass Ihre Frau nicht bei Ihnen war.

IG: Tatsächlich war sie wirklich da! Ebenso wie meine Tochter und deren Freund.

RO: Was wollten Sie mit dieser Aufnahme tun das Sie vielleicht nicht tun könnten wenn es eine Deep Purple oder Bandleistung wäre?

IG: Diese Songs wurden unter überhaupt keinem Druck geschrieben. Meine Kumpels sollten vorbeikommen, wir würden Bier trinken und die Songs schreiben. Aber ich wollte dass sie auf eine unterschiedliche Art interpretiert würden. Ich wollte keine Rock Rhythmus Sektion oder irgendwelche improvisierten Gitarren oder Keyboard Solos. Die Alben von Purple sind normalerweise intensiv. Dieses hat eine viel entspanntere und verführerische [Atmosphäre].

RO: Das ist der Eindruck den ich gewonnen habe. Ich kann mir vorstellen es von einem Katamaran dröhnen zu hören, der vor einer europäischen Küste segelt.

IG: Nun, ich habe eine Menge von Popos sich dazu bewegen sehen [Anmerkung: Das sind "Ärsche" für euch Nicht-Anglophile, Nicht-Musikenthusiasten die zufällig obdachlos sind].

RO: Inwiefern funktioniert das Schreiben mit Steve Morris als ihrem Partner im Songwriting unterschiedlich davon, wenn Sie Purple Songs mit Roger Glover schreiben?

IG: Steve war mit mir unterwegs und hat mit mir Aufnahmen für eine Weile gemacht. Tatsächlich habe ich ihn getroffen als ich '89 oder so aus Deep Purple gefeuert worden bin. Er stellte eine Band zusammen und wir machten einige Clubauftritte. Danach ging ich heim und arbeitete an anderen Dingen.

Dann kam ein brauner Umschlag der aussah als ob er beschriftet worden wäre von einer Spinne die durch eine Tintenflasche gegangen ist und mit mehr Klebstreifen darauf als ich jemals gesehen hatte. Ich konnte ihn nicht aufmachen! Also warf ich ihn in den Müll mit einer Menge von Ramsch-Post.

Später ging ich ins Studio und mein Assistent kam vorbei und legte ein Band auf. Es war fantastisch! Ich fragte was es wäre und er sagte "es war das Ding das du vorher weggeschmissen hast". Es waren Songs die Steve geschrieben hatte! So hat es mit ihm angefangen, und er war ein guter Freund für den ich eine Menge Respekt habe.

RO: Ich weiß dass Sie diesen speziellen Song auf der Aufnahme nicht geschrieben haben, aber da ich aus Houston anrufe muss ich fragen - was ist, in ihrer Sicht, ein "Texas Zustand des Geistes"?

IG (lacht): Tatsächlich hat mein Gitarrist, Michael Lee Jackson den geschrieben. Ich hörte wie er ihn spielte und ich gelobte damals dass ich ihn von ihm stehlen würde. Dies ist ein sehr sinnlicher, sehr erotischer Song. Im Wesentlichen fuhr er von Buffalo, New York, hinunter nach Texas weil er ein großes Bedürfnis danach hatte, physischen Kontakt mit einem Mädchen zu haben das er dort unten getroffen hatte. Und in diesem Road Song, diesem Reisesong, ist nur eine Sache in seinen Gedanken - und das macht es zu einem Texas-Geisteszustand!

RO: irgendwelche speziellen Erinnerungen daran, dass Sie in all den Jahren in Houston oder Texas waren?

IG: Oh Gott, ja. Ich erinnere mich dass eine der ersten Shows abgesagt wurde und ich musste draußen auf der Straße stehen und dem Volk erklären warum wir nicht spielen würden. Wir spielten beim Texxas Jam. Ich erinnere mich speziell daran wie wir hinauf nach Dallas und Houston fuhren und diese großen Städte aus dem Nichts auftauchten, und jedes Mal war da mehr Glas und die Gebäude wurden höher.

Das Lustigste war als wir die Tour für House of Blue Light in den späten 80ern machten und jemand, ohne es mir oder dem Rest der Band zu sagen, entschied ein modernes Bühnenbild zu haben. Ich meine, wir haben nichts dagegen einen Bildschirm hinter uns zu haben, aber dies war wie das Deck von Star Trek oder so was. Wie auch immer, ich war entsetzt und es war ein Schock für mich.

Es war die Eröffnungsnacht der Tour in Austin, also ging ich in diesen tollen Scherzartikelladen. Ich kaufte ungefähr 20 Plastikpissoirs und schaffte es sie überall am Bühnenbild anzubringen, so dass es so aussah als ob die ganze Bühne eine einzige gigantischer Toilette wäre. Ich habe sogar eines vor Jon [Lords] Hammondorgel befestigt. Und natürlich, die Texas Mädchen damals waren, uh, eindeutig an erster Stelle!

RO: Während Deep Purple Auftritten, jedes Mal wenn Steve Morse das berühmte Eröffnungsriff zu "Smoke On The Water " spielt, explodiert euer Publikum. Wann haben Sie erkannt dass dieser Song darüber hinausgegangen ist, einfach nur populär zu sein, hin zu etwas noch Größerem?

IG: Wissen Sie, ich hatte das Vergnügen mit dem [verstorbenen] Luciano Pavarotti ein paar mal zu singen, und einmal, als wir entschieden was wir singen würden, fragte er "Können wir ‚Smoke On The Water' zusammen machen?" Und ich sagte nein, ich wollte [Pavarottis Marken-Arie] "Nessun Dorma" machen.

Wie auch immer, er war ein wenig sauer, und letztendlich hatten wir ein Abendessen nach der Show. Und er sagte "Weißt du, ich bin so eifersüchtig auf dich. Wenn du ‚Smoke On The Water' singst, ist es jedes Mal verschieden in der Art wie du es singst. Bei ‚Nessun Dorma', wenn ich es nur einen Millimeter weg von der klassischen Version singe, würden sie mich kreuzigen!"

Also ist der Gedanke, etwas wie "Smoke On The Water" draußen vor dem Haus geparkt zu haben, das dir jederzeit wenn du es brauchst Energie gibt wie ein Motorrad oder ein wirklich munteres Pferd, ein unglaubliches Gefühl. Ich bin sehr stolz darauf. Es ist jetzt eine Art von öffentlichem Besitz, also klettern wir einfach an Bord. Und wenn wir Gast-Gitarristen dabei haben, wollen sie immer die Eröffnungstakte spielen!

RO: Als eine persönliche Anmerkung, sogar noch bevor ich "Smoke On The Water" gehört habe, kannte ich Ihre Stimme von der beständigen Liebe meiner Mutter für und dem konstanten Spielen der Originalaufnahme von Jesus Christ Superstar [Gillan rief die Rolle des Jesus auf der Platte ins leben, war aber nicht in der ersten Bühnenversion]. Heutzutage treten Rockstars regelmäßig auf dem Broadway auf, und Geschichten von Rock Bands bilden die Basis für eine Menge Shows. Aber damals 1970 war es ein radikales Konzept.

IG: Musikalisch war es kein Problem. Ein fantastisches Stück, so wunderbar konstruiert, und [Texter] Tim Rice bat mich im "Garden of Gethsemane" Abschnitt, alles zu tun was ich wollte. Aber das Sprechen am Kreuz war ein bisschen schwierig weil ich kein ausgebildeter Schauspieler bin. Tim nahm mich auf einen Kaffee mit und sagte mir, ich solle nicht an Jesus als eine religiöse Figur denken sondern als eine historische - mir Christus als Napoleon vorzustellen, und ich schaffte es auf Anhieb.

RO: Zum Abschluss, was sind ihre zukünftigen Pläne? Werden Sie zu dieser Aufnahme touren?

IG: Tatsächlich sind die Dinge mit Purple Terminen ziemlich ausgebucht. Aber ich möchte die Show nicht in einer Arena oder Konzerthalle machen, sondern in einem Theater mit einer Proszeniumbühne. Und ich möchte Tänzer und Bilder beteiligt haben um ihm ein exotisches Gefühl zu geben, wirbelnde Derwische und Flamenco und Jazz und experimentelle Dinge.

Tatsächlich treffe ich die Jungs in Purple auf der Spitze eines Berges direkt nördlich von Prag, um, morgen! [Gillan liest von einem Reiseplan ab]. Dann ist es Südamerika, Brasilien, Chile, Venedig, Dubai, Japan, Russland, Polen, Tschechoslowakei, eine lange Deutschlandtour, Schweiz, Libanon, dann England und Europa bis zum 12. Dezember. Vielleicht können wir danach ins Studio gehen!

One Eye To Morocco kommt heute heraus.

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