Ian interviewt von Alan Howe zu ‚One Eye To Morocco'

"Es ist nett von Zeit zu Zeit von dieser Rock'n'Roll Autobahn herunter zu kommen und die Landstraße mit Aussicht zu nehmen," Ian Gillan zu One Eye To Morocco.

Ian Gillans Landstraße mit Aussicht führt ihn weit nördlich von den Spuren und Rillen des Lebens mit Deep Purple und hin zu Blues, Pop und sogar Rockabilly.

Der Sänger hat immer gewusst dass Subtilität nach Aufmerksamkeit verlangt und das behutsam nuancierte Singen auf It Would Be Nice verfolgt den Fall.

Wohlgemerkt, die tapfere Beharrlichkeit auf Change My Ways bestätigt, dass sein Tagesjob sicher ist.

One Eye To Morocco ist eine vielseitige Ansammlung von Stimmungen, Klängen und Ideen, aber was alles zusammen bindet ist eine disziplinierte Zurückhaltung in der die Songs das Reden übernehmen.

Dies ist keine lächelnd selbstzufriedene Legende die nach Schema singt, noch ist es ein Talmi-Schrei nach Aufmerksamkeit.

Die Songs auf One Eye To Morocco sind jeder voll ausgeformt, aber verwandt miteinander nur durch ihre Autoren und inspirierten musikalischen Mitreisenden.

Das unklassifizierbare Pop-Rock-Album ist in Gefahr eine gefährdete kleinere Kunstform zu werden. Gillans One Eye To Morocco wirft ihm eine Rettungsboje zu.

"Es kann zustande, als eine Masse von Umständen sich zusammenfanden", sagt Gillan über das Timing und die vertrauten Spieler mit denen er dieses Album gemacht hat.

Aber wie konnte Gillan einen Deckel auf einige der Besten im Geschäft halten: Michael Lee Jackson an der Gitarre, Joe Mennonna an den Blasinstrumenten, Jessie O'Brien an den Tasten, Rodney Appleby am Bass und Schlagzeuger Howard Wilson.

"Hast du die Peitsche nicht knallen hören!" lacht er.

"Ich war mir von Anfang an im Klaren darüber was wir zu tun hatten," sagt Gillan.

"Ich wollte keine Gitarrensolos. Keine Schlagzeugsolos. Ich wollte Hank Marvin an der Gitarre. Ich wollte Ringo Starr am Schlagzeug," sagt er und beschwört den Geist des berühmterweise disziplinierten und unaufdringlichen früheren Shadows und früheren Beatles.

Ich wollte keinerlei Theatralik. Improvisierte Gitarrensolos sollten niemals Teil dieser Aufnahme werden.

"Ich wollte dass es von den Songs angetrieben wird und die Stimmung sollte zentral zum Titellied, One Eye To Morocco sein."

Ursprünglich inspiriert durch einen Traffic Song, arbeitete Gillan an der Melodie und den Texten für einige Jahre, aber es lebte weiter als eine Serie von Ideen ohne einem Heim oder einem Namen.

"Dann war ich in Polen bei einem alten Kumpel und bevor wir zu seinem haus an der tschechischen Grenze hinausgingen zeigte er uns die Salzminen von Krakau und wir saßen in Oscar Schindlers Café im Jüdischen Viertel dort.

"Ganz plötzlich fing diese unglaubliche Frau mein Auge und ich schweifte ab."

Gillans Freund beobachtete den Moment. "Ah, Ian, ein Auge auf Marokko."

Es ist eine örtliche Redensart, die voll ausgedrückt weitergeht "…und das andere auf den Kaukasus".

"Niemand weiß wo es angefangen hat, aber ich denke wir können es so verstehen dass es bedeutet von anderen Dingen zu träumen während man das Auge auf das Bild hält."

Später brachte Gillan das in Zusammenhang zu seinem Job bei Deep Purple.

"Ich sehe Purple als den Kaukasus und Marokko als das kleine bisschen Spaß das ich haben will," sagt er.

"Dieser Führungstitel wurde zum Titel des Albums und dessen Inspiration. Es war ein wundervoller kleiner flüssiger Faden der durch alles gelaufen ist."

Als es dazu kam die Titel auszuwählen die Morocco begleiten sollten, bestimmte Gillan "alles was wir aussuchen muss sich so anfühlen als ob es auf dieselbe Aufnahme gehört".

"Da ist eine Disziplin. Es ist ziemlich stark eine Pop-Aufnahme denke ich. Sie hat einen Fokus."

Einige wunderschön unaufdringliche Verzierungen auf der Gitarre, Saxophon, Piano und Harmonika (Gillans Harmonika) unterstreichen die Songs und scheinen ach so kurz Licht in die Ecken an denen man ansonsten unbemerkt vorbei gehen könnte.

"Man kann beredsam sein ohne zu viele Worte zu verwenden," sagt Gillan dazu.

Ungefesselt durch die Beschränkungen durch die Erwartungen die eine der größten Bands der Welt begleiten, hat Gillan einiges an Kühnheit gezeigt, indem er sich weit über das Material hinausbewegte, das er mit Purple bezwungen hat, mit seiner Gillan Band und mit anderen Nebenprojekten.

Nur sein Ausflug 1988 mit dem Purple-Bassisten Roger Glover, Accidentally On Purpose, gab jemals einen Hinweis darauf.

Damit will ich nicht sagen dass nicht ein oder zwei von diesen Songs ein Heim auf einem Purple Album finden könnten, so wie das scharfkantige No Lotion For That. Passt das? "Wäre das nicht cool?" stimmt Gillan zu.

"Da ist ein anderer Song genannt Change My Way den ich zu der (Deep Purple) Abandon Schreib-Session drunten in Florida mitnahm. "ich sagte Ich habe diese Idee für einen Song genannt Change My Ways und es ist eine Art von Ironie und über den Heißen Krieg und den Kalten krieg, und ich fing an loszuklimpern.

"Ich kam bis zum Ende der ersten Strophe, beendete den Refrain und halb durch die zweite Strophe stand Steve Morse (Purples Gitarrist) auf, legte seine Gitarre nieder und sagte ziemlich fest ‚Wenn du denkst dass ich einen ganzen Song in der Tonart E spielen werde…' "

"Und ich sagte ‚was ist mit Ravels Bolero, der verändert sich nicht bis ganz zum Schluss.

"Aber wir brachten es auf diese Aufnahme und nur für ein bisschen Spaß machte ich einen gewaltigen Tonartwechsel ganz am Schluss."

Anderswo handelt Morocco im gradlinigen Blues von Ultimate Groove und Better Days, Carl-Perkins-ähnlichem Rockabilly auf dem ironischen Lonely Days, und einigen verzwickten stimmlichen Inszenierungen auf Girl Goes To Show und Deal With It auf die der Produzent der Beatles, George Martin, stolz wäre.

"Ich liebe die Musik in den Melodien von diesen Sachen," sagt Gillan. "sie kommen aus einer unterschiedlichen Ära und da gab es Verzierungen in den obersten Spuren von denen man heutzutage nicht träumen würde sie zu machen."

Lonely Days harmonisierte ganz besonders mit Gillan.

"Ich war mit einigen Texten nicht glücklich. Ich arbeitete mit ‚lonely days, lonely nights' - das waren genau die Worte die ich verwendete während wir den Song sangen, einfach um die Phrasierung zu erhalten.

"Und dann sagte Rodney ‚Hey, Mann, angenommen es wäre so dass du einige einsame Tage und einsame Nächte brauchtest - dass du welche wolltest'.

"Und dann las ich eine weitere Geschichte über Amy Winehouse und alles kam zusammen.

"Also ist dieser Song total über Amy Winehouse und Britney Spears. Sie brauchten einige einsame Tage und einsame Nächte."

Daniel Decatur Emmett schrieb die Hymne des Südens Dixie ohne jemals südlich der Mason-Dixon-Linie gewesen zu sein. Aber was tut ein Junge aus Heathrow wenn er Texas State Of Mind singt, vielleicht Gillans Lieblingssong aus dieser Zusammenstellung?

"Ich hatte Kumpels die mich dafür tadelten dass ‚wenn du weiß bist, du den Blues nicht singen kannst' aber ich sage, nun, so weit ich das sehen kann ist das meiste an Blues das ihr singt über Frauen. Ihr jammert darüber wie eure Frauen euch ein Leid angetan haben.

"Ich kann euch versichern dass mir so viele Frauen ein Leid angetan haben dass ich mich dazu berechtigt fühle, darüber in der Blues Form zu schreiben."

"Michael Lee Jackson hat diesen Song geschrieben als er hinunter in den Süden nach Texas zu einer Verabredung fuhr und er war aufgeregt und freute sich sehr darauf sie zu treffen. Er war in einer Texas-Geistesverfassung.

Ich hörte wie er es vor Jahren aufführte und ich sagte ‚Ich will diesen Song'.

top .....ja, es ist eines von diesen Klick-Komfort-Dingern.