© Metal Express Radio 2009

Ian Gillan (Deep Purple)

Von: MICK BURGESS - © 2009

Dein neues Album, One Eye To Morocco, wird gerade veröffentlicht, etwas später in diesem Monat. Gefällt dir, wie es ausgefallen ist?

Ich freue mich riesig, ja. Es war tatsächlich eine Freude. Bei Deep Purple gibt es eine Menge Druck da wir mit absolut Nichts ins Studio gehen. Bei dieser hatte ich 38 Songs bereits geschrieben , was ich über die letzten 4 oder 5 Jahre gemacht habe. Das Schwierigste war, sie für das Album auszuwählen.

Der Titel, One Eye To Morocco, ist das ein Wink an die Musikalischen Einflüsse die es auf dem Album gibt oder hat der Titel eine spezielle Bedeutung?

Es ist eine interessante Geschichte. Bevor der Titel oder die Texte komplett waren, war das der Track den ich ausgewählt hatte und an dem die anderen Songs auf dem Album gemessen werden sollten. Wenn sie musikalisch zu diesem Song passten würden sie auf der Aufnahme sein, ansonsten gingen sie zurück in die Bibliothek. Als ich ihm den letzten Schliff gab erinnerte ich mich an eine Geschichte in Polen. Ich war in Krakau im Jüdischen Viertel mit meinem Freund der mir über Oskar Schindler erzählte und während er sprach ging eine wunderschöne Frau hinter ihm und ich folgte ihr mit meinen Augen über die Straße und sie verschwand. Ich kam zurück und fragte ihn was er gesagt hätte und er sagte dass ich ein Auge auf Marokko hätte, was im Wesentlichen bedeutet dass jemand den Frauen nachschaut. Auf Polnisch lautet das ganze Sprichwort dass man ein Auge auf Marokko und das andere auf den Kaukasus hat. Wörtlich bedeutet es dass man schielt und in zwei Richtungen sieht. Mehr philosophisch bedeutet es dass man tagträumt, wie wenn man im Büro sitzt und davon träumt was man am Wochenende tun wird. Ich denke es ist die perfekte musikalische Metapher, also wenn Deep Purple mein Kaukasus ist, dann ist meine Soloarbeit mein unartiges freies Wochenende. Das ist es worum es bei dieser Aufnahme geht, es ist die Freiheit Dinge zu tun die man normalerweise nicht tun würde. Da gibt es keine Rock Rhythmusabteilung oder improvisierte Gitarrensolos. Es bedeutet eine Aufnahme zu machen wie wir es taten bevor die Heavy Rock Bands auftauchten.

Es ist dein erstes Soloalbum mit komplett neuem Material seit über 10 Jahren. Warum hat es so lange gebraucht, den Nachfolger für Dreamcatcher zu schreiben?

Ich hatte keine Pläne das zu machen, aber traurigerweise wurde Roger Glovers Mutter sehr krank und starb letztes Jahr, daher sagten wir ein paar Touren ab damit er bei ihr sein konnte. Ich machte mich davon nach Buffalo in New York um mit ein paar Session-Musikern zu proben, die Freunde von mir dort draußen waren. Wir verbrachten ein paar Wochen mit Proben und gingen hinauf nach Kanada um all die Spuren und die Haupt-Gesangsspuren in 3 Tagen aufzunehmen. Im Wesentlichen war da eine Gelegenheit dieses Album zu machen wegen der unglücklichen Unterbrechung in unserem Terminplan, ansonsten würde es weitere 10 Jahre gebraucht haben um herauszukommen.

Den Großteil des Albums in 3 Tagen aufzunehmen ist ein ziemlich schneller Prozess wenn man bedenkt dass es bei manchen Bands heutzutage 5 Jahre braucht um ein Album aufzunehmen?

Nun, Deep Purples Spontaneität braucht normalerweise 5 Wochen aber das ist ein unterschiedlicher Prozess, weil wir hineingehen und von Grund auf mit Nichts anfangen. Mit diesem gingen wir hinein mit den bereits geschriebenen Songs. Es war nur die Frage, sie dem Produzenten auszuhändigen.

Dein vorheriges Album Gillan's Inn war ein Feiern deiner Karriere und es waren Gastkünstler, eingeschlossen Uli Roth, Joe Satriani und Jeff Healey, darauf die auf einer Reihe von Songs aus deinen Deep Purple und Solotagen spielen. Dieses Mal hast du entschieden, auf Gastkünstler zu verzichten und dich stattdessen für eine mehr "Band"-Herangehensweise entschieden. Warst du nicht versucht, ein paar Gefallen einzufordern oder wolltest du dass die Musik auf ihren eigenen Verdiensten ruht?

Das war eine gänzlich unterschiedliche Art von Sache. Bei diesem Album geht es nicht wirklich um virtuose Darbietungen. Wir warteten nicht auf das große Gitarrensolo und wir warteten nicht auf den großen Doppelschlag des Schlagzeuges. Wir wollten dass die Musiker die Songs unterstützen.

Du arbeitest wieder mit dem Langzeit-Mitarbeiter Steve Morris, der viel von dem Material auf dem Album mit geschrieben hat.

Ja, das habe ich, aber wir mussten ihn zuhause lassen, wir wollten ihm den Zugang ins Studio nicht erlauben…ha! Als wir die Demos gemacht haben, Steve liebt den ganzen Rockband Ethos und wenn er ab dem Demo-Format an den Songs gearbeitet hätte, dann wären sie viel mehr wie eine Rockband gewesen und das wollten wir nicht. Also war er bis zum Schreibprozess involviert und das war es.

Du hast an beinahe 40 Songs für das Album gearbeitet, wie hast du entschieden welche 12 du verwendest?

Wir haben jeden Song am Titelstück gemessen. Dies war der Dreh- und Angelpunkt für das Album und wir wogen jeden Song dagegen. Wir wählten 50% der Songs bei der ersten Auswahl aus und dann brachen wir es herunter auf weitere 50% und trafen die endgültige Auswahl von da an.

Was wird mit den anderen Songs geschehen, werden sie zu einem Zeitpunkt veröffentlicht werden?

Nun, ich habe weitere 10 seit diesem Album geschrieben, also habe ich wieder beinahe 40, daher weiß ich nicht was wir tun werden aber das gute Zeug neigt dazu an die Spitze zu kommen, also ist das vielleicht wie es sein sollte.

Du hast auch eng mit Michael Lee Jackson zusammengearbeitet. Wo hast du ihn getroffen?

Michael ist ein wundervoller Typ und ein guter Freund von mir. Er ist ein Anwalt, kein Musiker. Er ist ein sehr eifriger Musikliebhaber, und wann immer Shows in seiner Stadt waren, kaufte er ein Ticket und ging hin. Deep Purples Manager hat ebenfalls einen juristischen Hintergrund, also schickte ihm Michael einfach einen Brief und fragte nach einem Backstage Pass. Er tauchte Backstage auf und wir verstanden uns wirklich gut. Ich treffe eine Mange Freunde auf diese Weise, da wir nicht viel hinauskommen.

Musikalisch ist One Eye To Morocco eine sehr facettenreiche Sammlung von Songs. War das ein Ausfluss für deine musikalischen Ideen die nicht für Purple gepasst haben?

Es ist lustig dass du das fragst, da ich morgen hinauf nach Schottland gehen werde um eine Art von ‚Scheiben für eine verlassene Insel' Sache für die Radioshow eines Freundes zu machen. Er bat mich, eine Liste von meinen 20 Lieblingssongs zusammenzustellen. Als ich auf meine Liste sah war ich überrascht wie wenige Hardrockbands da drauf waren. Ich hatte Ray Charles, Dusty Springfield, Ronnie Dio "Love Is All", Led Zeppelin, Creedance Clearwater Revival, Dixie Dregs, Chris Bennet, Lonnie Donnegan, Small Faces, Jimi Hendrix, Rolling Stones, Edgar Winter, The Beatles und Dean Martin und das ist es, von wo ich hergekommen bin. Dies sind all die Arten von Sachen mit denen ich aufgewachsen bin und die ich bei Deep Purple eingebracht habe. Kombiniere das mit Ian Paice und seinen Big Band Sachen, Jon Lords klassischen Sachen und Roger Glovers Folkmusik und Ritchie Blackmores Studiotechnik und Rock ‚n' Roll Hintergrund und das ist es was zur Purple-Chemie wurde. Wenn man eines dieser Elemente wegnehmen würde kannst du die Wurzeln sehen, um eine Phrase zu prägen.

Es ist ein ziemlich rhythmisches Album mit einem coolen Groove der sich durch ein paar der Songs zieht, speziell bei Deal With It. Denkst du, es wird einige deiner ältern Fans überraschen?

Ich weiß nicht. Ich denke nicht wirklich über die Fans nach, um ziemlich ehrlich zu sein. Wenn du das tust wird es dich verrückt machen. Wenn du eine Platte machst um den Leuten zu gefallen im Gegensatz dazu, die natürlichste Musik zu machen die du machen kannst, dann wird es einfach nicht funktionieren. Wie haben immer versucht aufzunehmen was natürlich kam, und manchmal trifft es mit dem öffentlichen Geschmack und mit dem was die Fans mögen zusammen, und manchmal tut es das nicht. Manchmal siehst du Jahre später zurück und denkst das beste Album das ich jemals gemacht habe hat nur 5.000 Kopien verkauft oder der beste Auftritt den ich jemals gemacht habe war vor 25 Leuten. Du musst darüber nachdenken was natürlich ist und was aus deinem Herzen kommt. Da sind gewisse Dinge von denen ich über die Jahre bemerkt habe dass sie sich in der Musik verändert haben. Eines davon war als die Keyboards die Rhythmusgitarren abgelöst haben. Die meisten Bands hatten gewöhnlich zwei Gitarristen, einen Leadgitarristen und einen Rhythmusgitarristen. Dann kam der Blues und mit ihm kam die Hammondorgel oder das Piano, also wurde die Rhythmusgitarre eine Art verlorene Kunst. Ich hörte meine neue Aufnahme vor ein paar Tagen an und ich dachte dass die Rhythmusgitarre die Dinge so sehr zusammenhielt und dass man die Basslinien so viel mehr hören konnte als wenn sie mit dieser heavy Behandlung überhäuft wären. Es ist schwer, Musik zu erklären, aber ich war kürzlich in Mailand um eine Fotosession für den Verlag zu machen und da waren eine Menge Mädchen im Studio und sie legten die Aufnahme leise in der Ecke auf einem kleinen Ghettoblaster auf. Sie hörten nicht zu und plauderten einfach drauflos und ich sah etwas aus meinem Augenwinkel und ich dachte "Ahhhh!!", alle ihre Hinterteile bewegten sich im Takt der Musik und ich dachte "Mission erfüllt!". Ich mochte das sehr.

Es ist kein Album das dich an die Wand nagelt, es ist nicht wie Deep Purple, es ist weniger aufdringlich und ein klein wenig mehr intim und die Rhythmen sind außerdem ein wenig verführerischer.

"Don't Stop" scheint eine natürliche Wahl für eine Single zu sein. Planst du, dies irgendwann als Single herauszugeben oder sind Singles etwas um das du dich heutzutage nicht sehr kümmerst?

Oh, ich weiß wirklich nicht. Um ehrlich zu sein habe ich keine verdammte Ahnung!! Ich weiß nicht wie man Dinge promotet, da ich dies seit so einer langen Zeit nicht mehr getan habe. Ich vermute ich werde vom Verlag angeleitet werden und sie stehen 100% dahinter und es ist eine lange Zeit her dass das passiert ist. Meine liebsten Stücke neigen nicht dazu, so kommerziell zu sein aber ich weiß wirklich nicht was ein radiotaugliches Lied ausmacht.

Da wir über die rhythmische Natur des Albums sprechen, du hast dich in der Vergangenheit an den Bongos versucht. Bist du das, der auf dem Album spielt oder hast du jemand Anderen dafür hereingeholt?

Tatsächlich habe ich es vor ungefähr 10 oder 15 Jahren aufgegeben als ich die Raynaud'sche Krankheit bekam, was ein wenig wie Vibrationsbedingte Weiße Finger ist, dieselbe Sache die Jungs bekommen die Presslufthämmer bedienen. Ich schlug gewöhnlich wie wild auf die Dinger ein und zerstörte infolgedessen all die kleinen Blutgefäße in meinen Fingern und sie wurden tödlich und grässlich weiß. Es schien vorübergegangen zu sein als ich aufhörte die Congas oder Bongos wie du sie nennst zu spielen, gerade zur rechten Zeit. Das war tatsächlich mein Produzent der die da gespielt hat.

Allgemein hat das Album ein entspannendes, sommerliches Gefühl an sich. Es ist das perfekte Gegenmittel zum kältesten UK Winter in beinahe 20 Jahren!!

Ja, ich denke du hast Recht. Mein Lieblingsstück auf dem Album ist "Girl Goes To Show" mit seiner karibischen Reggae-Neigung die es hat.

Deep Purple ist ziemlich stark ein Vollzeitjob für dich und du bist den größten Teil des Jahres entweder im Studio oder draußen auf der Straße. Hast du dich nicht danach gefühlt, deine Füße für eine Weile hochzulegen und auszuspannen oder waren da zu viele Ideen die für dich herumflogen um dich für länger niederzulassen?

Nein, nein nein!! Ich habe viel freie Zeit. Wir haben ungefähr 3 Monate im Jahr frei. Wie jemand aufmerksam gemacht hat haben wir im letzten Jahr in 48 Ländern gespielt und wenn du nach Hause kommst kannst du nicht einfach abschalten. Ich schreibe eine Menge und Musik hat daran einen Anteil von ungefähr 25%. Das Internet und was ich in meine Websaite stecke brauchen weitere 15% und der Rest davon ist Arbeiten an unterschiedlichen Projekten und ich liebe es einfach das zu tun und wie es herauskommt wenn es niedergeschrieben ist. Stell dir vor, über Weihnachten habe ich für 2 Monate absolut nichts getan und es machte meinen Herausgeber wahnsinnig. Ich habe einfach meine Füße hochgelegt und Whiskey getrunken, Fußball im Fernsehen gesehen und Zeit mit meiner Familie verbracht. Es gibt eine Zeit für alles.

Wirst du irgendwelche Shows spielen um die Veröffentlichung zu supporten?

Es ist mir nicht wirklich eingefallen, wegen der Art von Musik die es ist und der Art die es braucht um präsentiert zu werden. Ich werde warten und sehen ob es eine Nachfrage danach gibt. Wenn dem so ist dann ja, und ich würde es gerne in einer besonderen Art tun. Ich habe Pläne in meinem Hinterkopf aber wir werden sehen wie es sich entwickelt.

Damals in den späten 70ern und frühen 80ern waren in Gillan Leute wie Bernie Torme, John McCoy, Colin Towns und Mick Underwood. Warst du in Kontakt mit einem von ihnen seit sich Gillan in den frühen 80ern aufgelöst hat?

Nein, das waren großartige Zeiten aber es kam zu einem schaudernden Halt. Im Wesentlichen ging mir das Geld aus und ich konnte es einfach nicht länger unterstützen.

Bekommst du Angebote von Promotern um mit diesen Jungs zu touren?

Nein, absolut nicht. Ich habe keinen einzigen Anruf von irgendjemandem dazu bekommen.

So weit es Deep Purple betrifft, wie weit seid ihr mit dem Nachfolger zu Rapture Of The Deep?

Weißt du, wir sind vor einer Weile zusammengekommen um das neue Album zu diskutieren und wir sind 2 Stunden in der Bar gesessen und ich ging zu Bett im Denken dass wir nicht einmal Musik diskutiert haben. Wir haben einfach über Fußball geredet und Familie und Dinge in der Art. Ohne Zweifel wird es auftauchen. Das ist das Großartige an Deep Purple, dass wir einfach aufstehen und es tun.

Später in diesem Jahr werdet ihr einige UK Shows spielen. Habt ihr schon mehr Termine geplant?

Es ist ein absoluter Non-Stop vor diesen UK Terminen, es ist ein ziemlich voller Terminkalender und wir werden eine Menge Plätze abdecken. Wir freuen uns sehr darauf zurück on the road zu sein und wieder zusammen zu spielen.

Ian Gillans neues Album ONE EYE TO MOROCCO ist jetzt bei earMUSIC herausgekommen. Für mehr Information besuchen Sie www.gillan.com

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