Questions - you got 'em; answers - we got 'em

55 - No More Cane Fakten, Wembley, Weihnachtsgeschenke, astronomische Schreibweise,
Saalbrüller, des Sängers Rolle

Von: "Dowling, Barron" -BDowling@tesoropetroleum.com

Ich entnahm ihrer Webseite, dass Sie zu diesem Lied Hintergrund suchten. Angeblich geschrieben von Leadbelly (Huddie Ledbetter), der in Gefängnissen von Texas und Louisiana während der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts einsaß. Dies war eines seiner zwei bemerkenswerten Lieder über die Arbeit einer Sträflingskolonne in einem texanischen Gefängnis außerhalb von Houston. Der andere damit verwandte Song über das Gefängnisleben, nachdem er in Houston entlassen wurde, ist der Klassiker "Midnight Special". Ich vermute, dass Cane on the Brazos tatsächlich ein von den Insassen des Gefängnisses verwendeter Sprechgesang bei der Feldarbeit war, den Leadbelly nach seinem bedingten Straferlaß weiter aufführte.

Der Fluß Brazos verläuft durch Texas, seine Mündung befindet sich etwa 50 Meilen südwestlich von Houston. Entlang seines flacheren Verlaufes gibt es einen großen Abschnitt sumpfigen, aber fruchtbaren Bodens, ideal für das Wachstum von Zuckerrohr. Schwarze Insassen wurden an mehrere Gefängnisfarmen entlang des Brazos geschickt, um in Sträflingskolonnen Zuckerrohr und Baumwolle zu hacken. Eine große Anzahl an schwarzen Männern wurde oft wegen kleinerer Vergehen ins Gefängnis gesteckt. Sie zahlten für ihren Unterhalt, indem sie zur Arbeit in den Kolonnen gezwungen wurden, um dort im Prinzip nichts anderes als Sklavenarbeit zu verrichten.

'Rohr zu schlagen' ist eine der denkbar unangenehmsten Arbeiten. Die Insassen mussten gebückt in den dichten, schlangenverseuchten Zuckerrohrbeständen und mehreren Zoll tiefem schlammigen Wasser stehen, um das Rohr mit einer Machete abzuschlagen. Dazu kam noch die drückende Sommerhitze und Moskitos zu dick, um sich auch noch damit abzuplagen, sie totzuschlagen. Weiße Wachen beaufsichtigten die Insassen von Pferden aus mit Gewehren, bereit jeden zu erschießen, der zu entkommen versuchte. Diese Sträflingskolonnen bestanden bis in die 60'er Jahre. Sie konnten leicht von den westlich von Houston vorbeiführenden Autobahnen aus eingesehen werden. Die Stadt mit dem Gefängnishauptquartier und der Zuckermühle wurde "Sugarland" genannt. Jetzt ist sie ein Vorort von Houston. Die Gefängnisse sind immer noch dort, die Sträflingskolonnen wurden aber aufgelöst. Sie waren eines der schlimmsten Vermächtnisse der Rassentrennung, als Texas noch Teil des alten Südens war.

Hallo Barron,

Danke für ihren aufgeschlossenen und hoch informativen Brief. Das ist wirklich ein verdrehtes Q & A, wo sie die Antwort liefern. Für diejenigen unseres mit dem Wordog Abschnitt von Caramba vertrauten Leserkreises... ihr werdet bemerken, dass unser teurer Herausgeber Herrn Dowlings gelehrtes Stück angefügt hat Nummer 9...No More Cane on the Brazos.

Cheers, ig

Von: craigkgibbs@hotmail.com (Craig Gibbs)

Hallo ihr da, ich möchte allen vom Caramba! Team ein glückliches Neues Jahr wünschen. Ich habe einige Fragen an Ian und wäre echt dankbar, wenn ihr sie weiterleiten könntet. Vielen Dank und habt ein gutes 2003.

Hallo Ian, zuerst möchte ich dir und deiner Familie ein gutes, glückliches 2003 wünschen. Gleich anschließend. Ich wäre unglaublich dankbar, wenn du ein paar Fragen beantworten würdest, da ich bis jetzt hoffe eines Tages eine Antwort zu bekommen :).

Welche Fortschritte macht das Album und habt ihr vor, euch mehr um einen 'weniger-durchproduzierten' Sound (Machine Head, In Rock) zu bemühen, oder mehr um einen kommerzielleren, besser produzierten Sound (House of Blue light, Double Trouble)?

Wie denkst du über die Wembley Arena als Veranstaltungsort? Sehe dich dort im Juni!

Wenn du Eines bedauerst jemals in deiner Karriere getan zu haben, was ist es?

Gibt es Pläne für eine andere, längere europäische Tour nach der Veröffentlichung der CD im August?

Vielen Dank für deine Zeit, sehe dich in Wembley, habe ein gutes Jahr, Craig Gibbs, 15

Hallo Craig,

Danke fürs Schreiben und dir auch ein Happy New Year.

Das Album ist fertig. Ich denke, dass es großartig klingt, aber meine Sicht der Dinge ist das, was man subjektiv nennen könnte. Du kannst es mit nichts vergleichen, das wir in der Vergangenheit gemacht haben, was das Wesentliche davon ist, es zu tun wie wir es getan haben.

Ich habe kein Problem mit Wembley, insbesondere wenn es voll ist. Ich bin sicher, es wird ein großartiger Abend werden. Cool ist, dass wir Lynyrd Skynyrd als special guests unserer Show haben können, es gibt wohl auch noch einen anderen act, ich habe aber noch keine Information darüber.

Das habe ich schon einmal beantwortet, aber ich wiederhole gerne, dass ich bedauere nie Edith Piaf getroffen zu haben.

Ja es sind Pläne im Gange, ich habe aber noch keine Details. Damit es mit dem Erscheinen des Albums Ende August/Anfang September herum zusammenzufällt, ist vor dem Ende des Jahres eine längere europäische Tour möglich. In den USA sollten wir Anfang 2004 sein und ich meine, von vielen später in dem Jahr in Russland gebuchten Shows gehört zu haben.

Cheers, ig

Von: IRNichols@aol.com

Ian,

Nachdem sich der festliche Staub jetzt gelegt hat, was war dein bevorzugtes Weihnachtsgeschenk und warum?

Ian
Chesham
Bucks

Hallo Ian,

Mein Lieblingsgeschenk dieses Jahr war ein handgearbeiteter Anglo-Langbogen.

Cheers, ig

Von: j.gemmell@attbi.com

Hi, Ian,

James Gemmell (GEM'-ul) (die Tastaturkombination mag ich -Steve) hier im winterlichen Michigan (20 Grad Fahrenheit und Schnee!). Bei meinem original Deep Purple Album war dies wunderbare Textheft zu "Machine Head" in purpurrot und weiß. Ich habe mich immer gefragt, ob das deine Handschrift war. Dennoch wichen die Texte leicht von dem ab, was du auf deiner Webseite gepostet hast. Im Textheft steht zum Beispiel "the band's been meeting all the groovy people", nicht "been with all the groovin' people". Es verwendet des weiteren die astronomische Schreibweise für (Aurora)Borealis, während auf deiner Webseite der Ausdruck "Boring Alice" verwendet wird (was zweifelsohne die korrekte originale Terminologie ist, da sie mehr nach deinem großartigen Sinn für Humor klingt). Ich glaube auch im Textheft stand, du "tanztest" mit Borealis. Wurde nun das Textheft von Machine Head irgendwie falsch an Warner Brothers übermittelt, oder waren das die original Texte, ehe du sie überarbeitet hast? Schöne Grüße...

-James.

P.S. mein originales Textheft ist ramponiert, ich habe das aber wieder gutgemacht, indem ich die 1984-Ära Wandtapete aus Nylon gekauft habe.

Hallo James,

Danke für's Schreiben. Ja, das war meine Handschrift, sie hat sich seitdem ein bisschen verändert... aber nicht viel. Ich weiß was du meinst, aber ich habe mich immer weniger mit dem Detail als mit der Substanz beschäftigt. So neige ich eher dazu mit der lebendigen Seele eines Songs einher zu gehen, als mit dem ursprünglich gedruckten Wort. Aufgrund des kryptischen Wertes ziehe ich 'Boring Alice' vor, und womöglich haben wir angefangen zu tanzen, aber du weißt ja wie es geht... Zu der Zeit war der Text richtig.

Cheers, ig

Von: "Vincent Brightling" -vincentbrightling@eircom.net

Lieber Ian,

Die besten Wünsche mit dem neuen Album. Ich freue mich nicht nur unglaublich auf das Album, sondern auch darauf Euch wieder in Dublin willkommen heißen zu können. (Mit 'Willkommen heißen' meine ich natürlich, Euch aus dem Saal von 'The Point' zuzubrüllen).

Meine Frage: Hast Du - oder irgendeiner der anderen - überhaupt über Lazy diskutiert, als ihr nach dem Programm für das Machine Head Classic Album gefragt wurdet? Es war schon riesig unterhaltsam, aber ich und sicherlich alle anderen auch waren verwirrt, weil Lazy weggelassen wurde. Nach jedermanns Maßstab ein Purple Klassiker.

freundliche Grueße, Vincent Brightling.

Hallo Vincent,

Danke für deinen Brief, Kommentare und Frage. Auch ich freue mich, am 24.Juni nach Dublin zurückzukommen.

Bezueglich des Machine Head Programmes... Paicey und ich wurden in L.A. danach gefragt und wir hatten keine Ahnung davon, dass der andere Inhalt genommen wurde. Ich wurde genauso durch die Auslassung einer ansonsten gut zusammengestellten Show überrascht. So ist halt das Leben.

Cheers, ig

Von: "Klok, E. (Erik)" E.Klok@mdi.rws.minvenw.nl

Hi Ian,

Beim Anhören der gerade herausgekommenen CD des Aachener Konzerts von 1970 fragte ich mich, was du über deine Rolle in der Band empfandest. I meine, Du warst gerade erst zur Band gekommen und ich kann mir vorstellen, dass du als Sänger gerne gezeigt hättest, was du drauf hast.

In eben diesen Tagen und der entsprechenden Setliste aber warst du rund 75% der Zeit nicht auf der Bühne, unter einem Piano oder was auch immer. Zumindest nicht am Singen, und obwohl ich Songs wie Wring That Neck oder Mandrake Root liebe (vielleicht auf der nächsten Tour??!!) kann ich mir vorstellen, dass das ein bisschen frustrierend für einen Sänger ist.

Bin gespannt auf deine Meinung.

Cheers,
Eric

Hallo Eric,

Danke für deine Mail und Frage. Natürlich hast du recht... in jenen Tagen war die Band stark instrumental angehaucht, sie ist es noch immer, bloss ist es dieser Tage mehr ausgewogen.

Tatsache ist, dass die Zeiten damals anders waren. Um mit den Sängern zu beginnen, es war ihnen noch nicht einmal gestattet, sich der Musicians Union anzuschließen, bis die Variety Artistes Federation (VAF) zusammenbrach und wir in die MU hinzugewählt wurden... die eigentlichen Musiker schauten auf uns allerdings mit einem gewissen Maß an Belustigung.

Es war aber auch eine Zeit des großen Abenteuers. Die Instrumentalisten brachen aus den Zwängen der sogenannten Popmusik aus und tasteten sich in neues Territorium vor, indem sie ausgedehnte Soli und abenteuerliche Strukturen in die vorher starren Bereiche brachten. Ein Teil von alle dem zu sein erschien mir daher großartig, auch wenn meine Rolle im Vergleich zu den anderen in einem langsameren Tempo zunahm.

Cheers, ig

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