Questions - you got 'em; answers - we got 'em

89 Es war einmal vor Gangster-Zeit, sprachgeschichtliche Erwägungen, Spiritualismus & Verderbtheit alles ineinander verwickelt, rauchende Steuern, Faroe-weite Einladung

Von: Ole Simonsen3

Hallo Ian

Danke für "Now What" fantastisch und Live in Montreux 1996 - habe es gerade auf Youtube angesehen, und deinen Vortrag im Kulturinstitut - sehr unterhaltsam. Eine Frage - ich habe Sharon Osbournes Biografie gelesen und ich habe mich gefragt, ob du jemals den Gangstern begegnet bist, die sie erwähnt hat dass sie mit dem Musikgeschäft zu tun haben, und die Black Sabbath kommandiert haben als sie in den Sechzigern und frühen Siebzigern in London waren? Mit besten Grüßen

Ole Simonsen - Langzeitfan



Lieber Ole,

Danke für deinen Brief.

Ich habe Sharons Buch nicht gelesen, aber ich kannte ihren kleinwüchsigen Vater Don Levy (Arden), den Manager von Black Sabbath, der mehr ein Schläger und Rüpel war als ein richtiger Gangster. Ich nehme an, um sich dafür zu qualifizieren braucht man eher eine Gang als nur einen Bodyguard und einige Gewehre. Nichtsdestotrotz fand ich ihn manchmal ziemlich liebenswert; wenn er nicht gerade drohte mich wegen einer vermeintlichen Beleidigung auseinanderzunehmen. Und er war ein Kätzchen an Sonntagen wenn der rote Nebel sich lichtete und er mich zum Essen einlud.

Don war Musikgeschäft der alten Schule.

Dann war da Sammy Lee, der unsere erste Tour in Australien '71 promotete. Sammy war ein weiterer kleiner James Cagney Typ mit einer Mini-Gang genannt Jake, der der archetypische angsteinflößende harte Mann war; Sechs Fuß vierzehn und aus Granit gemeißelt. Sammy übte Gewalt aus von der ich Zeuge war, und Jake holte eine Anzahl von Schusswaffen aus einer Aktentasche; am auffälligsten bei einem Quantas Flug von Perth nach Melbourne. Also nehme ich an, dass sich Sammy irgendwie als Gangster auf niedriger Stufe qualifizierte.

Der beste Gangster dem ich je begegnete war Raymond Nash, der das West End (Soho) von London in den frühen Sechzigern leitete. Als ich in Episode Six war, arbeiteten wir in einem von seinen Plätzen, dem Establishment Club in der Greek Street. Er musste ziemlich knallhart sein um sich gegen The Krays im East End und The Richardsons südlich des Flusses zu behaupten. Raymond wurde zurück in den Libanon, sein Geburtsland, deportiert, wo ich die Freude hatte, ihm '66 zu begegnen, als wir im Casino du Liban in der Nähe von Beirut arbeiteten. Er war ein perfekter Gentleman; ein spitzenmäßiger Klasse-Gangster.

Es gibt nicht mehr viele echte Gangster in meinem Geschäft mehr, und die die heutzutage existieren tragen Maßanzüge.

Wir haben noch immer denselben Anteil an Windhunden, Schlägern und Parasiten wie der Rest der Gesellschaft, aber die Gewalt ist zum größten Teil verschwunden, und die Drohungen sind meistens vertragsgemäß.

Cheers, ig


Simon Hounsome

Hallo Ian,

wo kommt der Albumtitel ‚Scarabus' von der Ian Gillan Band her, und was bedeutet er?

Ich freue mich darauf, von dir zu hören.

Cheers,

Simon Hounsome



Lieber Simon,

ich wurde inspiriert von Boris Karloff, der die Rolle des Dr. Scarabus in der 1963-er Horrorkomödie ‚The Raven' spielte, die lose auf Edgar Allen Poes gleichnamigem Buch basierte.

Ebenfalls in dem Film waren Vincent Price (Dr. Erasmus Craven), Peter Lorre (Dr. Adolphus Bedlo), ein junger Jack Nicholson (Rexford Bedlo) und - die Lust meiner unerfahrenen Jahre - Hazel Court (Lenore Craven).

Cheers, ig


Mark

Hallo Eure IG-ness

Einfache Frage. Könntest du den Hintergrund zu "Abbey of Thelema" erklären, so weit dein Interesse in Aleister Crowley betroffen ist, und deine Meinung zu Thelema, dessen Dogma ‚Tue was du willst soll das ganze Gesetz sein' ist? War dies ‚kultureller Dilettantismus' (tut mir leid, soll nicht beleidigend sein), oder hast du Interesse an solchen Dingen?

PS Sah dich in der Bonfire Nacht 1981 in der Sheffield City Hall ‚alleine' - alle meine Freunde waren zu faul! - und es war umwerfend! Bist du immer noch in Kontakt mit Colin?

Danke für deine Zeit, und mach weiter mit Schreien!

Mark



Lieber Mark,

Danke für deine freundlichen Worte und die interessante Frage.

‚Kultureller Dilettantismus' hm? Du magst Recht haben; aber das Okkulte war damals erstklassiger Boden für junge fiebrige Geister; es war in den 60ern notwendig, ‚The Devil Rides Out' von Dennis Wheatley zu lesen. Wir sprangen wie Steine über die Gewässer von sexueller Verdorbenheit, was in meinem Falle bedeutete, sich nur zu trauen darüber nachzudenken. Ich hatte bereits die Tatsache akzeptiert, dass ich ein perverses Monster war; dies laut meiner Großmutter, die mich häufig als ein ‚übles, niederträchtiges' Kind beschrieb (Nach-Zweitem Weltkrieg/Nachviktorianischer Konflikt; ich war fünf Jahre alt, sie war weit über hundertdreißig). Unsere Verdorbenheit schien für mich und meine kleinen Freunde insgesamt ziemlich normal zu sein, also schlug der Teufel in mir Wurzeln.

Crowley (dämonisiert als der übelste Mann auf Erden; mir haushoch überlegen) wies Religion für mehr esoterische Versionen von Gott zurück und ich habe das Gleiche gemacht, obwohl meine Reise leiser war.

Ich habe ein langjähriges Interesse an diesen Dingen, so wie ich es in allen Aspekten der Spiritualität habe, und was damals unreifer Kitzel gewesen sein mag ist jetzt eine elementare Zutat auf einem breiteren Feld.

‚Tu was du willst…' ist im Wesentlichen anarchisch, da es Tabus einschließen muss, und letztendlich dazu führt dass Regeln gebrochen werden. Ich stimme dem zu, obwohl ich insoweit einen Vorbehalt habe, dass ich von der Idee, jemandem wehzutun, angewidert bin. Aber was sonst gibt es noch für abenteuerlustige Geister außer stickiger Konvention in einer Zeit da freie und hoffentlich kollektive/verwandte Geister mehr denn je gebraucht werden. Zum Glück gibt es durch die ätherische Kongregation (Internet) neue fruchtbare Weiden in denen man aufblühen kann.

Das ist alles etwas heftig, oder? Aber bitte schön.

Cheers, ig


John C Micallef

Lieber Mr. Gillan,

nur eine kurze Note um Ihnen und dem Rest der Deep Purple Band dafür zu danken, uns so ein exzellentes Album (CD?) Now What?! zu schenken, ich werde niemals müde, es zu hören.

Liebe die Texte, liebe Ihre Stimme, liebe die Melodien!

Etwas anderes, wir wurden gerade mit der anhängenden Position der EU-Kommission bezüglich Tabak beglückt. Sehr amüsant… oder vielleicht nicht! Also wollen sie Tabak weniger attraktiv und weniger suchterzeugend machen? Wer weiß, als Nächstes wird es Sex sein!

Keine Ahnung wie dies unsere Lebensqualität verbessern wird, vielleicht fangen wir alle an bis 200 zu leben wenn wir aufhören zu rauchen? Unsere Spitäler werden halbleer sein und die Steuereinnahmen werden hinuntergehen. Nun, wir alle wissen dass dies nicht der Fall ist, und wenn die Tabakverkäufe einmal hinunter gehen, wird die Regierung sich die Köpfe kratzen und sich fragen, so sie das Geld her nehmen soll. Also nehme ich an dass sie damit anfangen werden, uns für das Leben zu besteuern - unsere Häuser besteuern, unsere Autos (noch mehr), sie werden uns dafür besteuern, Licht zu gebrauchen, und sie werden wahrscheinlich damit anfangen, auch die zu besteuern, die im Dunkeln leben!

Ich würde sehr gerne Ihre Meinung zu diesem Thema lesen (ich weiß, Sie haben es schon früher angegangen).

Jetzt gehe ich zurück die Nachrichten anzusehen und die Leute, die in Ägypten einen Aufstand machen/feiern/revoltieren… Ich denke nicht dass das Thema dort das Verbot von Tabak war, aber es gab immer noch eine Menge Rauch…

Sehr herzliche Grüße aus Malta.

Passen Sie auf sich auf,

John



Lieber John,

ich habe dies über die Jahre ein paar Mal berührt. Meine erste Inhalation von Rauch war während meiner Kindheit. Ich wuchs in London auf und erlebte den gefürchteten Smog viele Male bis - nach dem Schlimmen von '52 - die Röntgenbilder meiner Lunge dunkle Schatten zeigten und ich weggeschickt wurde um den Sommer von '53 bei meinem Onkel Ivor (Watkins) auf der Insel Wight zu verbringen. Das waren wahrscheinlich die besten Ferien die ich je hatte. Ivor war ein Strandfotograf unter Tags und ein Boogie Woogie Jazzpianist in der Nacht; außerhalb einer Bar in Blackgang Chine aufzutreten war nur ein Schritt weg vom Weg zum Strand; ich verpasste keinen Beat als ich meine Pepsi durch einen Strohhalm schlürfte, während das Trio in Seidenhemden etwas tief in mir weckte.

Nach dem Clear Air Act von 1953 schien die schwefelige Atmosphäre über Nacht zu verschwinden. Ich erinnere mich dass ich in den 60ern mit Staunen die blendenden, hochdruck-gewaschenen Wände des Naturhistorischen Museums und der Royal Albert Hall ansah; die waren bis dato wie die Lungen von London gewesen - schwarz von Ruß.

Eine kurze Abschweifung… ich erinnere mich noch immer - als ich ein lustiger junger Mann war - an den Ausdruck des Horrors auf den Gesichtern meiner amerikanischen Freunde als ich fröhlich erwähnte dass ich ‚für eine Kippe sterben könnte' (‚fag' kann sowohl Zigarette als auch - im Amerikanischen - Schwuchtel bedeuten… Anm. d. Ü.). Es wurde noch schlimmer… als ich ihnen erzählte dass ich meine Schwester jedes Mal aufwecken müsse wenn ich spät von einem Auftritt heimkam (semiprofessionelle Tage). (‚knock up' bedeutet im Amerikanischen so viel wie ‚schwängern'… Anm. d. Ü.). Und für den Fall dass irgendwelche Amerikaner die dies lesen Hilfe brauchen, eine ‚fag' ist eine Zigarette, und meine Schwester wurde nicht schwanger weil ich meinen Haustürschlüssel vergessen hatte.

Ich glaube dass - nach der Sicherheit - Steuern dazu verwendet sollten, das Lebensnotwendige zur Verfügung zu stellen: Saubere Luft und Wasser, unterstützende Lebensmittelversorgung und Obdach, zusammen mit etwas Fürsorge für Strategie/Infrastruktur und einem Sicherheitsnetz für Diejenigen, die Hilfe von uns allen benötigen.

Ja, sie werden jetzt alles was sich bewegt besteuern, deshalb mache ich einen Bummelstreik.

Cheers, ig


Mike Nagoda

(Hallo ich habe diese Email an Ian an die Q and A Email Adresse geschickt, habe aber zwei Mal die Benachrichtigung erhalten dass die Zustellung nicht geklappt hat. Könntest du sie bitte an ihn weiterleiten und sehen dass er sie erhält? Vielen Dank!)

Hallo Ian! Ich bin ein Riesenfan von dir aus Toronto und zuerst möchte ich sagen dass ich Now What?! absolut liebe. Ich denke es könnte mein liebstes Studioalbum gleich neben Purpendicular sein, das In Rock, Machine Head und all die andern Klassiker ausgestochen hat, und das lediglich von Made In Japan als mein Lieblingsalbum von Deep Purple in den Schatten gestellt wird.

Es ist etwas sehr Magisches an Purpendicular jedes Mal wenn ich es höre, es strotzt von so viel Leben und Energie und Positivität. Ich habe tatsächlich eine Frage über die ich jetzt weit einiger Zeit nachgedacht habe: wer ist die Stimme des Vikars/Priesters ganz am Anfang von Cascades? Bist das du oder jemand Anderes?

Ich hoffe, dich und DP zu sehen fall ihr jemals wieder nach Toronto kommt, ich liebe alles was ihr Jungs macht, ihr Jungs und natürlich Jon seid meine Helden. Ich war ein Fan seit ich 17 war, jetzt bin ich 27, und Purple war einer der Gründe dass ich mit anfing Rockmusik zu spielen und anfing, Keyboards du Gitarren in Bands zu spielen. Einer meiner Träume war immer, Smoke mit euch Jungs auf der Bühne zu spielen (ich spiele Slidegitarre mit zwei Slides, und bin so weit ich weiß einer von zwei Leuten weltweit die das tun), aber ich weiß dass das wahrscheinlich sehr unwahrscheinlich passieren wird. Dennoch kann ich immer träumen und vielleicht wird er eines Tages wahr werden! Pass auf dich auf, und ich hoffe euch Jungs in Toronto wieder zu sehen! Vielen Dank für die Musik, sie veränderte mein Leben!

Mike Nagoda



Lieber Mike,

Danke für dienen Brief und deine Hartnäckigkeit; weiß nicht genau was da passiert ist, aber schlussendlich hast du es geschafft. Ja, das war ich in meiner Rolle als Vikar… ich kann mich nicht genau erinnern was ich gesagt habe, und es auf meinem Laptop anzuhören hilft nicht sehr. Wahrscheinlich etwas Ähnliches zu meinem gelegentlichen Intro zu Speed King… Damen und Herren, Jungs und Mädels… wir sind hier heute Abend versammelt für ROCK AND ROLL!!!

Cheers, ig


John Dam

Hallo,

Wann kommt Ian Gillan zurück auf die Färöer Inseln :

Gruß
John



Lieber John,

Danke für die Einladung; ich erinnere mich an die Färöer mit großer Zuneigung nach meinem Trip dort im Juni 1992. Die Annäherung an den Flughafen war zumindest unüblich. Während wir entlang eines Kliffs flogen, das über uns aufragte, direkt auf etwas zu das verdächtig wie Gibraltar aussah, machte ich Augenkontakt mit einem der buntgefärbten Vögel die sich ein paar Fuß von unserem Backbordflügel niedergelassen hatten. ‚Keine Sorge' schien sie zu sagen - obwohl sich ihre Lippen in einem modernen geschwollenen Patois bewegten das schwierig abzulesen war während wir in einem niedrigen Gang vorbeikreischten - ‚die Landebahn ist gleich ums Eck, da wo eine Lücke im Kliff ist. Das Flugzeug wird in der letzten Minute wild nach Links schwenken und auf die Landebahn krachen - keine große Sache, sie tun das jeden Tag.'

Die Cockpit-Türe war offen, und so konnte ich den herannahenden Felsen beobachten, der sich in der Windschutzscheibe sogar noch größer auftürmte. Aber, gerade so wie es der Papageientaucher vorhergesagt hatte, passierten wir die Schikane mit geübtem Aplomb und kamen ziemlich leicht herunter, in Anbetracht dessen.

Es regnete, und es gab einen Generalstreik. Die Fähren (von der Insel mit dem Flughafen zur Insel für den Auftritt) waren nicht in Betrieb, also bestellten wir ein Fischerboot und luden unsere Ausrüstung auf das offene Deck. Der Skipper legte los in den Sturm und erlaubte sehr freundlich einer alten Dame, sich in die Hundehütte vorne zu quetschen um Schutz vor dem wilden Sturm zu finden. Der Rest von uns stand mit der Ausrüstung im peitschenden Regen. Für ungefähr zwei Minuten, hieß das, bis ich eine Balgerei an der Türe zum winzigen Steuerhaus sah.

Unser vielgeliebter Schlagzeuger - Lenny Haze - erzwang seinen Weg in die Kapitänskabine und drängte in dem Prozess die arme alte Dame zurück hinaus in den Regen. Er rief etwas - wahrscheinlich dass wir alle sterben würden außer wenn er am Steuer wäre - aber seine Worte wurden vom Wind weggetragen.

Und so landeten wir sicher auf der Hauptinsel und schafften es zu unserem Hotel, das in einem Abhang begraben war. Auf dem Weg bemerkten wir ein paar Färöer, die auf der Straße lagen. Sie waren ‚müde' vom Alkohol, weil all die Trinkgesetze an diesem Tag aufgehoben waren, oder so wurde es mir von einem Einheimischen gesagt, der auch meinte dass es keinen Zweck hätte, Gesetze zu haben, die Jedermann ignorierte. Das war vor über zwanzig Jahren, ich frage mich ob ihr sie wieder zurück habt; wahrscheinlich mit voller Kraft - wie Perth, Australien, wo man nicht einen Digestif alleine haben kann; er muss gewässert sein… Logo!

Wie auch immer, die Show - und der Besuch im Generellen - war ein Tumult von geteilter Freizügigkeit und freudigem Feiern. Ich wachte in der Nacht auf und fand ein Schaf in meinem Zimmer (das Fenster öffnete sich ebenerdig in Richtung auf den Hang zu). Ich scheine mich zu erinnern dass sie nette Lippen und wundervolle Augen hatte; ihr Name war Margaret oder Barbara… irgend so etwas.

Ich fürchte es gibt keine unmittelbaren Pläne für eine Rückkehr auf deine fabelhaften und abgelegenen Inseln, aber man weiß nie. Wie auch immer, die Erinnerungen von '92 werden mir auf Ewig bleiben.

Cheers, ig


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